Einkommensteuertarif

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Kalte Progression

Im Vorfeld ihres Bundesparteitages streitet die CDU über viele Themen. Vergleiche hierzu die Rheinische Post: "Angela Merkels Machtoptionen schwinden". Mit einem der Streitpunkte, der kalten Progression, will ich mich hier beschäftigen. Was das ist und wie die kalte Progression wirkt, beschreibt aktuell ein Artikel der WELT sehr gut: "Bürgern stehen 'massive Steuererhöhungen' bevor".

Wie der geneigte Besucher meiner Homepage selbst feststellen kann, bin ich ein Verfechter des Stufentarifs. Folgt man meinen grundsätzlichen Vorstellungen für eine grundlegende Steuerreform, so hätte der beständige Streit über eine Anpassung des Steuertarifs an die Geldwertentwicklung ein Ende. Es bedürfte lediglich der regelmäßigen Anpassung des Grundfreibetrages an die allgemeine Lohnentwicklung. Die Relation der einmal als gerecht empfundenen Belastungsspanne über alle Stufen bliebe erhalten, denn nach meinen Vorstellungen bestehen die einzelnen Stufen in einem Vielfachen des Grundfreibetrages.

Die Frage, über die jetzt wieder gestritten wird, liegt aber in dem Versuch begründet, dem Staat möglichst alle Einnahmen zu erhalten und sogar noch - ohne formale Steuererhöhung - zu steigern. Das ist unehrlich. Soweit ich die Presse verfolgt habe, sehen das alle Kommentatoren ebenso.

Was ist zu tun?

Wir brauchen erst einmal eine Reform der Unternehmensbesteuerung, die die Unternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform gleichmäßig besteuert. Wenn sich sodann die Einkommensteuer allein auf die Besteuerung der Erträge beschränkt, die der Privatsphäre der natürlichen Personen zugeflossen sind, lässt sich viel leichter über eine nach der persönlichen Leistungsfähigkeit gestuften Steuerbelastung diskutieren.

Diese Diskussion kommt aber nur dann zu einem gerechten Ergebnis, wenn sie auch die Besteuerung der Kapitalerträge wieder in den Focus rückt. Auf dieser Homepage finden Sie meine Vorschläge, die Deckelung der Zinsbesteuerung und ihren Abgeltunscharakter aufzuheben. Die Kapitalerträge müssen wieder in die allgemeine Bemessungsgrundlage einbezogen werden.

Meine Ablehnung der Finanztransaktionssteuer habe ich damit begründet, dass diese nicht den Kern der Spekulation angreift, und gefordert, die erzielten Gewinne besser abzuschöpfen. Die Rücklagen des Normalbürgers sollten aber dadurch geschont werden, dass der Sparerfreibetrag wieder zu Ehren kommt.

Würde die Politik diese Gedanken endlich aufgreifen, wäre genügend Raum, den Bürger mit mittlerem Einkommen zu entlasten und Spitzeneinkommen würden auch wieder spitzenmäßig belastet.

08.12.2014

Jetzt hat die CDU doch noch die Kurve gekriegt:
Rheinische Post: "Die CDU plant eine Mini-Steuersenkung"!


Übrigens: Hier finden Sie einen Überblick, wie sich die steuerliche Belastung im historischen Vergleich darstellt! Die Tabellen hatte ich für meinen Vortrag vom 10.2.2009 erarbeitet. Im Prinzip wird sich auch für die späteren Jahre nichts wesentliches daran geändert haben.


11.05.2017: Hier der aktualisierte Belastungsvergleich!


Streit um den Spitzensteuersatz

30.01.2019 - Rheinische Post:
"Scholz denkt über höheren Spitzensteuersatz nach"

Zitat aus dem Bericht:

"Die SPD hatte schon in den Koalitionsverhandlungen angeboten, dass eine komplette Soli-Abschaffung mit einer Anhebung des Spitzensteuersatzes gegenfinanziert werden könnte."

Was ist daran so falsch, dass jetzt Peter Altmeier dagegen wettert?

"Wir brauchen stattdessen Steuerentlastungen für alle Bürger, für schwache und starke Schultern gleichermaßen. Deshalb schließt der Koalitionsvertrag Steuererhöhungen zu Recht kategorisch aus."

Ich habe beide Minister auf den von mir angestellten Belastungsvergleich hingewiesen. Danach sind es eindeutig die unteren und mittleren Einkommen, die die ganze Steigerung der Steuerlast zu tragen haben, während die Spitzeneinkommen längst entlastet worden sind.

Die Politik sollte einfach mal ehrlicher argumentieren. Dazu gehört auch, in die Gesamtbetrachtung ebenfalls die Belastung der Bürger mit indirekten Steuern einzubeziehen. Deren Sinn ist durchaus als Instrument der Lenkung nachvollziehbar. Gerade untere Einkommen werden dadurch aber stärker belastet. In meinen Überlegungen zum Bürgergeld bin ich darauf längst eingegangen.


Neues Bündnis für Steuerentlastung der Mitte!

20.01.2020 - Süddeutsche Zeitung:
"Geschätzt vier Millionen Deutsche zahlen Spitzensteuersatz"

Zitat aus dem Bericht:

"Dass 1,7 Millionen Menschen den Spitzensatz zahlen, ohne Spitzeneinkommen zu haben, ist unfair und schadet dem Ansehen des Steuersystems." Das sagt nicht der FDP-Parteichef, sondern Dietmar Bartsch, der Fraktionschef der Linken im Bundestag."

Eine lesenswerte Analyse über die Gedanken des Spitzenpersonals eigentlich gegensätzlicher Ideologien!

Es ist wirklich an der Zeit, endlich einen neuen Steuertarif zu entwickeln. Gerade angesichts sprudelnder Steuerquellen sollte das jetzt kein Problem sein. Die Politik muss nur wollen. Das neue Bündnis von FDP und Linke wird dazu aber nicht reichen.


Den aktuellen Steuertarif finden Sie in
§ 32a Einkommensteuergesetz

Danach (Fassung 2022) betragen die Grenzsteuersätze:

Grundfreibetrag 10.347 €
Progressionszone 10.348 € - 58.596 €

( Die alte Proportionalzone ist inzwischen entfallen! )

Spitzensteuersatz 42% ab 58.597 €
"Reichensteuer" 45% ab 277.826 €

Zahlen zum Durchschnittseinkommen

Auch unter Berücksichtigung einiger Freibeträge kann man feststellen:
Mit rund dem 1,5-fachen Durchschnittseinkommen
greift der Spitzensteuersatz!

Mein historischer Belastungsvergleich

Mein Leserbrief an die Rheinische Post vom 15.01.2022
(Veröffentlicht in der Printausgabe vom 07.02.2022)


Bitte lesen Sie auch weiter unter:
Mein Unverständnis für die Haltung der FDP


Hinweis auf eine Broschüre des BMF:

"Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2021"

Daraus diese aufschlussreichen Grafiken:

Gesamtbelastung mit Steuern und Sozialabgaben in % des BIP:

Gesamtbelastung mit Steuern und Sozialabgaben eines Durchschnittslohns:


Jetzt neu verlinkt unter: "BMF-Monatsbericht Juli 2022".

Während die Gesamtbelastung mit Steuern und Sozialversicherungsabgaben bezogen auf das BIP im Ländervergleich noch vertretbar ist, wird Deutschland hinsichtlich der Belastung des Durchschnittslohns nur noch von Belgien übertroffen! Ich sehe darin einen weiteren Beleg für die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Abgabensysteme, damit den Arbeitnehmern "mehr Netto vom Brutto" verbleibt. Deshalb sollte jetzt ernsthaft über eine Wertschöpfungsabgabe diskutiert werden, um die Lasten angemessen zu verlagern. Diese Broschüre aus dem Haus des Bundesfinanzminsters ist doch ein Beleg für die zum Himmel schreiende Steuerungerechtigkeit in Deutschland. Während die Arbeitslöhne hoch mit Abgaben belastet sind, werden Kapitalerträge niedrigst besteuert. Wie lange soll eigentlich noch über die Abschaffung der Abgeltungssteuer diskutiert werden?

21.07.2022 - zuletzt überarbeitet am 28.07.2022

Nachtrag vom 22.08.2024:

Im "Monatsbericht August 2024" findet sich eine aktualisierte Statistik über die Abgabenbelastung im internatinationalen Vergleich bezogen auf das Jahr 2023.

Zitat aus dem Bericht:

"(...) bei der Belastung des Faktors Arbeit durch Steuern und Sozialabgaben liegt Deutschland im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe."

Es hat sich also nichts geändert!

Interessant ist aber noch diese Anmerkung zu der Besteuerung der Erträge der Kapitalgesellschaften:

"Gewinne von Kapitalgesellschaften werden nicht nur auf Ebene des Unternehmens, sondern auch bei der Ausschüttung an den Anteilseigner (z. B. in Form von Dividenden) besteuert. Um Doppelbelastungen ausgeschütteter Gesellschaftsgewinne durch die Körperschaftsteuer der Kapitalgesellschaft und die Einkommensteuer des Anteilseigners zu verhindern oder abzumildern, verfügen fast alle Staaten über entsprechende Systeme zur Entlastung der Dividenden beim Anteilseigner. Von den europäischen Staaten sehen Irland und die Schweiz keine Entlastung ausgeschütteter Gewinne auf der Ebene des Anteilseigners vor (klassische Systeme ohne Tarifermäßigung). Diese Staaten haben aber als Ausgleich nach wie vor vergleichsweise niedrige allgemeine Körperschaftsteuertarife. Drei EU-Staaten besteuern die Gewinne nur bei der Gesellschaft, sodass Dividenden beim Anteilseigner steuerfrei bleiben (Estland, Lettland und Zypern). Zum gleichen wirtschaftlichen Ergebnis kommt auch Malta, indem die Körperschaftsteuer auf ausgeschüttete Gewinne dem Einkommensteuersatz auf Dividenden entspricht und voll auf die Einkommensteuer angerechnet wird (sogenanntes Vollanrechnungsverfahren)."

Auch das alte deutsche Körperschaftssteuerrecht kannte die Vollanrechnung der KSt auf die ESt. Das war zwar kompliziert, aber gerecht hinsichtlich der steuerlichen Belastung nach der persönlichen Leistungsfähigkeit.


Lindner lernt es nicht

Noch immer hat sich Lindner nicht die Erkenntnisse seines Ministeriums zu eigen gemacht; er behauptet schon wieder:

"Wir sind inzwischen ein Höchststeuerland, aber dennoch reichen die Einnahmen nicht aus, um alle gesetzlichen Aufgaben zu finanzieren."

Quelle: Rheinische Post:
Bundesfinanzminister Christian Lindner im Interview

Ich habe die Interviewerin gerügt, dass sie das so hat durchgehen lassen. Die RP ist von mir immer wieder auf meine Analyse der amtlichen Broschüre hingewiesen worden! Und da auch der WDR heute dieses Zitat in seinen Meldungen brachte, habe ich auch dort die kritiklose Übernahme der Aussage beanstandet.

Im Laufe des Tages wurde im Radio und TV des öfteren über das Interview Lindners berichtet; das von mir gerügte Zitat wurde aber nicht mehr wiederholt! Haben sich da tatsächlich Redaktionen meinen Hinweis auf die Broschüre des BMF näher angesehen?

08.04.2023

Nachtrag vom 08.05.2023:

"Wo die meisten Einkommensmillionäre leben"

Zitat aus dem Bericht:

"Nur 0,6 Prozent aller Millionenschweren verdienen Geld vor allem mit Kapitalvermögen. Das hat auch damit zu tun, dass die Kapitalerträge seit Einführung der Abgeltungssteuer 2009 nicht mehr vollständig erfasst werden können."

Auch diese Statistik belegt mal wieder die Schieflage in der Verteilung der Steuerlast. Gut dass der Verfasser des Berichts auf die Ausklammerung wesenticher Einkünfte hingewiesen hat. Es wird Zeit, dass die Kapitaleinkünfte ebenfalls der persönlichen Progression unterworfen werden. Dann erscheinen sie auch in der Einkommensstatistik!

Noch einmal anders gesagt: Die Broschüre des BMF erfasst das gesamte Steueraufkommen des Staates und vergleicht es international im Verhältnis zum jeweiligen BIP. In die Einkommens-statistik des Statistischen Bundesamtes fließen allein die Veranlagungsergebnisse (Steuerbescheide) der Finanzämter ein. Wenn also wegen der Abgeltungssteuer die Kapitalerträge deshalb nicht erfasst werden, weil der persönliche Steuersatz sie sonst höher belasten würde, wird ein wesentlicher Anteil der steuerpflichtigen Einkommen nicht sichtbar. - Man kann es auch ein staatlich gefördertes Versteckspiel der Einkommensmillionäre nennen.


Eine Reform, die den Namen nicht verdient

10.08.2022 - RP-online:
"Lindner verspricht Steuerentlastung für 48 Millionen Bürger"

Zitate aus dem Bericht:

"Finanzminister Christian Lindner hat angesichts der hohen Preise eine Steuersenkung angekündigt. Jetzt legt er seine Pläne vor. Kritik gibt es auch schon: Topverdiener kämen dabei besser weg als Ärmere."

Solange Lindner nicht das Problem der Abgeltungssteuer anpackt, kann ich seine Vorschläge nicht ernst nehmen, denn es handelt sich nur um mickrige Konsequenzen der Inflation. Als Porsche-Fahrer ist ihm das Wohl der Porsche-Eigner offensichtlich wichtiger, als eine sachgerechte Steuerreform, die den Namen auch verdient. Solange er die Erkenntnisse seines eigenen Ministeriums ignoriert, ist er in meinen Augen eine totale Fehlbesetzung. Vergl. dazu auch meinen Kommentar zu dem Artikel auf RP-online.


Wem hilft die Reform und wem nicht

17.11.2022 - RP-online:
"So viel Steuerentlastung gibt es für Familien und Singles"

Zitate aus dem Bericht:

"Stopp der kalten Progression, mehr Kindergeld, höhere Freibeträge: Die Ampel entlastet viele Familien im nächsten Jahr um 1000 Euro und mehr. Bei Singles sind ebenfalls mehrere Hundert Euro Entlastung möglich. Das soll gegen die Inflation helfen."

"Den Wirtschaftsweisen passt die ganze Richtung nicht. In ihrem Jahresgutachten, das sie in der vergangenen Woche vorstellten, empfahlen sie der Bundesregierung, die kalte Progression jetzt nicht auszugleichen. Es sei wichtiger, etwas für die unteren und mittleren Einkommen zu tun."

Die Wirtschaftsweisen haben recht mit ihrer Kritik, dass mehr für die unteren Einkommen getan werden muss. Mich bestätigt das in meiner Forderung nach einer Wertschöpfungsabgabe, um so insbesondere die Arbeitnehmer in den Dienstleistungsberufen zu mehr Netto vom Brutto zu verhelfen. Die Diskussion zeigt aber, dass das nicht von allen verstanden wird.


Bitte lesen Sie auch weiter unter:
Reichensteuer


Gedanken zu den Äußerungen von Friedrich Merz

03.09.2023 - Süddeutsche Zeitung: "Senkt die Steuern für die Mittelschicht"

Zitate aus dem Bericht:

"Wie sieht ein gerechtes Steuersystem aus? Diese Frage beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger dauernd. Und die Besteuerung ist in den vergangenen Dekaden ungerechter geworden."

"Charme haben dagegen die CDU-Überlegungen, der Mitte der Gesellschaft grundsätzlich mehr vom Einkommen zu lassen."

"Denn die deutsche Politik hat in den vergangenen Jahrzehnten Topverdiener und Reiche stark entlastet. Sie senkte den Spitzensatz von 56 auf 42 Prozent. Millionäre zahlen nur noch halb so viel Steuern auf Kapitalerträge."

"Erst wenn Top-Einkommen und Top-Vermögen einen stärkeren gesellschaftlichen Beitrag erbringen, kommen die nötigen Milliarden zusammen, um eine breite Entlastung der Mehrheit mitzufinanzieren."

"Wichtig wäre auch, die Debatte nicht auf Steuern zu verengen. Geringverdiener zahlen oft wenig Steuern, aber ab dem ersten verdienten Euro volle Sozialabgaben. Für sie bedarf es einer speziellen Entlastung."

Der Verfasser des Artikels war mir in der Verangenheit schon mehrfach durch seine guten Artikel aufgefallen. Deshalb hatte ich ihn auf meine Sicht zur Schieflage der Belastung der Bürger hingewiesen. Das hat er jetzt aufgegriffen und aus gegebenem Anlass in einen guten Zusammenhang gestellt.

Ich hatte auch Carsten Linnemann und Friedrich Merz auf meine Gedanken hingewiesen und von Linnemann eine Zusage erhalten, diese in seine Überlegungen für das CDU-Programm aufzunehmen. Vielleicht schafft es die CDU doch noch, die Bürger wieder ausgewogen nach ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit zu belasten. Der Artikel gibt dazu die richtigen Hinweise.


Der offizielle:
Abgabenrechner des BMF
hat jetzt einen Link zu aufschlussreichen Grafiken über die
Historie der Steuertarife ab 1958!
Diese können Sie auch hier direkt auf meiner HP aufrufen.


Zur aktuell aufkeimenden Steuerdiskussion!
Schön, dass das jetzt auch Wissenschaftler erkennen, aber ich war schneller!

Zitat aus einem weiteren Artikel zum Thema:

"Der Kanzler weiter: 'Ich bin gespannt auf die Vorschläge, die vom Bundesfinanzminister kommen. Denn die Einkommensgruppen, die er da nennt, die sind heute von der Einkommenssteuer am allerwenigsten betroffen.' Merz schob nach: „Da ist nicht mehr viel zu entlasten.“ Aber gerade bei diesen Einkommensgruppen könne man über die Sozialversicherungsbeiträge viel tun."

Quelle: Rheinische Post:
"Merz macht SPD Ansage – 'Biegen nicht nach links ab' "

Die Aussage spricht doch für meinen immer wieder vorgetragen Vorschlag einer Wertschöpfungsabgabe! Immer mehr Automation und jetzt die künstliche Intelligenz erhöhen die Wertschöpfung je Arbeitskraft - aber eben nur in solchen Berufen. Da wo die menschliche Arbeitsleistung prägend bleibt, insbesondere in den Berufen der Fürsorge, ist die Wertschöpfung gering. Darum plädiere ich für eine Umschichtung der Beitragslasten.

24.03.2026


Inzwischen habe ich die Kennzahlen des ESt-Tarifs 1958
entsprechend der Entwicklung der Jahresbruttolöhne hochgerechnet
!


Vorstellungen von einer neuen Tarifstruktur

Unter der Überschrift Zusammenfassende Betrachtung über eine Tarifreform habe ich bereits meine grundsätzlichen Gedanken zusammengefasst, insbesondere mit Blick auf den Spitzensteuersatz. Nachdem ich inzwischen auch den Tarif von 1958 näher durchleuchtet und unter Anwendung eines einfachen Dreisatzes auf heutige Einkommensverhältnisse umgerechnet habe, ergeben sich für mich daraus folgende Konsequenzen:

  • Anhebung des Grundfreibetrags
    Dieser sollte mindestens ein Drittel von D betragen.

  • Wiedereinführung einer unteren Proportionalzone
    Sie sollte frühestens bei dem Eineinhalbfachen von D enden.

  • Dehnung der Progressionszone

  • Anhebung der oberen Proportionalzone
    Sie sollte frühesten beim 20-fachen von D beginnen

D = Durchschnittsbruttolohn gem. letzter amtlicher Feststellung.

Zu erwartende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung einer solchen Tarifänderung habe ich unter Was die Wirtschaft wirklich bremst beschrieben.

28.04.2026


Bewegt sich da endlich was?

02.05.2026 - Tagesschau: "Klingbeil treibt Steuerreform voran"

Zitate aus dem Bericht:

"Finanzminister Klingbeil macht bei der geplanten Steuerreform Tempo: Schon bald will er ein Konzept vorlegen. Ziel sind Erleichterungen für kleine und mittlere Einkommen - dafür will Klingbeil Spitzenverdiener in die Pflicht nehmen."

"Die Entlastung müsse aber "realistisch" finanziert werden, führte der Minister aus. 'Spitzenverdiener mit sechsstelligen Gehältern müssen hierzu ihren Beitrag leisten.'"

"Kanzleramtschef Thorsten Frei forderte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, der Spitzensteuersatz sollte sich 'auf die wirklich Reichen konzentrieren - und nicht die Leistungsträger der Mitte über Gebühr in Anspruch nehmen'."

Beiden, in dem Bericht namentlich genannten Politikern, hatte ich meine Erkenntnisse über den Tarif 1958 und meinen Vorschlag, ihn auf heutige Einkommensverhältnisse umzurechnen, zugeleitet. Sollte das endlich Früchte tragen?

Meinen Vorschlag habe ich auch an viele weitere Politiker, an Wissenschaftler und Medien verteilt. Es wird Zeit, dass diese Zahlen endlich diskutiert werden.


Weitere Erkenntniss aus meiner Analyse

Inzwischen habe ich auch die alten Pauschbeträge für Werbungskosten der Arbeitnehmer und Sonderausgaben einer Hochrechnung unterzogen. Sie zeigt in erschreckendem Maß, wie sehr die über Jahrzehnte verweigerte Anpassung des Tarifs zu lasten der Arbeitnehmer verschoben worden sind.

Die aktulisierte Gesamtübersicht aller Analysedaten finden Sie hier.

Da ist in der Vergangenheit zwar immer wieder von Entlastungen die Rede gewesen, bei den Arbeitnehmern ist aber letztlich nichts angekommen. Sie zahlen mehr! Wie lange will diese Koaltion, in der ein SPD-Minister für die Steuergerechtigkeit zuständig ist, die Bürger noch veralbern?

Wir brauchen endlich eine volle Einbeziehung der Kapitalerträge in die Besteuerung der Einkünfte und eine deutliche Anhebung des Spitzensteuersatzes! Sonst wird das nichts mit Steuergerechtigkeit. Alles Geschwafel von Vermögensteuer für Reiche und eine höhere Erbschaftssteuer kann man vergessen, solange nichts unternommen wird, den Vermögenszuwachs in sachgerechte Bahnen zu lenken.

Hinsichtlich der Entwicklung des Werbungskostenfreibetrags weise ich hin auf meine bereits früher vorgeschlagene Einführung einer Mobilitätspauschale.

09.05.2026


Bitte lesen Sie auch alles über diese aktuelle Diskussion:
Umsatzsteuer - Reform als Finanzierungsgrundlage für etwas Großes?


11.05.2026 - Süddeutsche Zeitung:
"Es gibt nur einen Weg zu gerechteren Steuern"

Zitate aus dem Bericht:

"Nach dem Scheitern der Arbeitnehmerprämie braucht es keine weiteren mittelguten Vorschläge, sondern eine Lösung, welche die Mehrheit entlastet. Dies geht, wenn die Reichen mehr zahlen."

Ein Kommentar, der in die richtige Richtung weist und viel Zustimmung bei den Lesern findet!


Eine Studie von 2017 - bisher ohne Wirkung

Ich habe inzwischen zu der Frage recherchiert, ob schon früher irgend jemand aus der Wissenschaft auf die Idee gekommen ist, einmal die Tarifzonen der Steuertarife zu durchleuchten. Dabei bin ich auf eine interessante Studie des IW Köln gestoßen, die bereits 2017 die Schrumpfung der Tarifzonen beschreibt: "Die Einkommensteuer im Zeitverlauf - Belastungswirkungen für verschiedene Haushaltstypen".

(Hier eine Version der Studie, in der ich die wesentlichen Aussagen für eilige Leser gelb markiert habe.)

Die Studie ist leicht zu lesen und mit anschaulichen Grafiken versehen. Sie kommt ebenfalls zu einem Ergebnis, das in die Richtung geht, die auch ich für notwenig erachte zu gehen:

"Vor diesem Hintergrund bedarf es einer substanziellen Erhöhung der Tarifgrenzen, um die impliziten Steuererhöhungen der letzten Jahre zurückzunehmen und zumindest das Niveau von 2005 wieder zu erreichen. Dadurch würden die privaten Haushalte nicht nur entlastet werden, sondern es würden sich aufgrund der geringeren Grenzsteuersätze auch die Arbeitsanreize verbessern. Dies gilt aufgrund der erfolgten Stauchung des Tarifverlaufs und der deshalb schnell steigenden Steuersätze bereits für mittlere Einkommen. Die sehr gute Entwicklung der Steuereinnahmen in den vergangenen Jahren gibt der Politik dabei den nötigen Spielraum für eine Entlastung."

Wie diese neuen Tarifzonen nun wirklich geschnitten werden sollten, um die Belastungskurve wieder zu dehnen, schlagen die Verfasser allerdings nicht konkret vor. Die Grafiken sind zwar anschaulich, greifen aber nicht umfassend bis in das Jahr 1958 zurück. Da helfen wissenschaftliche Studien wenig, wenn der Zeitrahmen verkürzt und kein Druck auf die Politik ausgeübt wird.

Ich bin den umgekehrten Weg gegangen und habe einfach die Tarifzonen, sowie Frei- und Pauschbeträge von 1958 auf heutige Einkommensverhältnisse hochgerechnet. Das zeigt die über den Zeitverlauf entstandene Schieflage viel konkreter. Meine Schlussfolgerung daraus ist eindeutig.

Mitbürger, mit denen ich mich über diese Frage bereits austauschen konnte, teilen mein Entsetzen. Von den Politikern, denen ich meine Erkenntnisse vorgelegt habe, hat sich bis heute niemand getraut, eine Stellungnahme abzugeben!

14.05.2026


Inhaltsverzeichnis dieser Seite:

08.12.2014 Einleitende Ausführungen
11.05.2017 Historischer Belastungsvergleich - 1958 - 2007 - 2016
30.01.2019 Streit um den Spitzensteuersatz

                   Zahlen zur Grenzsteuerbelastung
                   Abgabebelastung im internationalen Vergleich 2021

08.04.2023 Lindner lernt es nicht
08.12.2014 Eine Reform, die den Namen nicht verdient
03.09.2023 Gedanken zu den Äußerungen von Friedrich Merz

28.04.2026 Vorstellungen von einer neuen Tarifstruktur
09.05.2026 Weitere Erkenntniss aus meiner Analyse

                   Tarifzonen, Frei- und Pauschbeträge 1958 hochgerechnet

14.05.2026 Eine Studie von 2017 - bisher ohne Wirkung


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