Entscheidungen der Kartellbehörde

Fleischwaren-Kartell gegen Discounter

Jetzt hat das Bundeskartellamt gegen die Fleischwarenindustrie ermittelt und riesige Strafen verhängt. Beispielhaft sei hier auf einen Bericht der Rheinischen Post verwiesen: "Lebensmittel-Kartelle schädigen den Markt". Ich frage mich allerdings, ob das so gerechtfertigt ist, oder der Schuss nicht besser in eine andere Richtung gehen sollte.

Ich habe nämlich immer noch die Berichte über die miserablen Arbeits-bedingungen in der Fleischindustrie in Erinnerung. Sie sind offensichtlich Folge eines ruinösen Wettbewerbs. Bei meiner Recherche habe ich jetzt dazu folgende Artikel beispielhaft herausgesucht, die die Probleme rund um die Werkverträge in der Lebensmittelbranche aufzeigen:

Ich habe deshalb das Bundeskartellamt per Mail gefragt, welche Vorstellungen dort bestehen, den Lebensmittelmarkt wieder auf gesunde Füße zu stellen. Dazu gehören für mich

  • sichere Einnahmen der erzeugenden und vom Wetterrisiko abhängigen Landwirtschaft,
  • angemessene Löhne auf allen Stufen der Lebensmittelindustrie und des Handels und
  • sichere und gesunde Lebensmittel am Ende der Verarbeitungskette.

Es sind doch die den Lebensmittelhandel beherrschenden Discounter, die ihre Zulieferer unter Druck setzen und gegenseitig ausstechen (*). Um wirklich wieder Wettbewerb zum Vorteil der Verbraucher herzustellen, müsste aus meiner Sicht die Allmacht der Discounter zerschlagen werden. Dann hat der selbständige Einzelhändler wieder eine Chance, seinem Kunden gesunde, qualitativ hochwertige Lebensmittel anzubieten, die nicht nur laut Werbung von glücklichen Kühen stammen. Und der Kunde muss wieder bereit sein, einen gerechten Preis zu zahlen. "Geiz ist geil" ist keine Leitlinie für gesunde Lebensmittel.

Und einfach noch eine Frage:

Warum müssen die vielfältigsten Fertigprodukte in allen Markenausführungen überall in der Republik die Regale füllen und die liefernden LKW die Autobahnen zerstören? (Vergl.: Verkehrspolitik) Hätten wir wieder einen regionalen Markt, der den Preisvorteil der ortsnahen Lieferkette ausspielen könnte, wären viele Probleme beseitigt, die uns heute plagen. Warum sind oft von Ferne angelieferte Produkte billiger, als die ortsnah produzierten Erzeugnisse? Hier werden doch Kosten entgegen aller betriebswirtschaftlicher Rechenkunst aus Gründen des Kampfes um Marktbeherrschung ungerecht verteilt.

Auch hier sind die Gedanken unseres Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker wieder einmal treffend anzubringen; er schreibt in seinen Erinnerungen "Vier Zeiten":

"(...) noch immer muss die Allgemeinheit dort die Kosten tragen, wo der private Markt externe Folgen verursacht, die nicht im Preis enthalten sind. Das gesamtgesellschaftlich faire und schließlich auch das ökonomisch vernünftige Ziel ist es, dass die Preise selbst die ökologische Wahrheit sagen."

Siehe Seite 428; "Die Schöpfung bewahren"

Das sind doch wahre Ideen, den Wettbewerb zu fördern. Einer Antwort des Bundeskartellamtes sehe ich mit Spannung entgegen.

17.07.2014

Nachtrag:

Da mir die betriebswirtschaftliche Diskussion bekannt ist, nach der ein Überangebot im Warensortiment das Kaufverhalten negativ beeinflussen kann, habe ich zu dem Thema noch einmal recherchiert und eine Dissertation mit dem Titel "Der Wert von Produktvielfalt: Wirkung großer Sortimente auf das Verhalten von Konsumenten" von Michael Riemenschneider gefunden.

Darin wird im Kapitel 2.1.5 auch der berühmte "Marmeladenversuch" von Sheena S. Iyengar und Mark R. Lepper beschrieben, nach dem die Kaufrate sinkt, wenn die angebotene Vielfalt gesteigert wird (Seiten 58 ff). Zitat:

Von den 104 Personen, die bei einer Auswahl von 6 Marmeladen am Probierstand waren, haben anschließend 30% (31) eine Marmelade dieser Marke gekauft. In der Bedingung der extensiven Produktauswahl waren dies nur 3% (4) (...). Die Nettokaufrate lag insgesamt bei limitierter Produktvielfalt mit 12% rund siebenmal so hoch wie bei extensiver Produktvielfalt (1,7%).

Auf meine oben gestellte Frage, ob es wirklich erforderlich ist, die Waren des täglichen Bedarfs in allen Läden der Republik in extensiver Produktvielfalt anzubieten und dafür die Straßen kaputt zu fahren, gibt es im Lichte der Empfehlung unseres Altbundespräsidenten nur eine Antwort: Nein; die wahren Kosten für diese Vielfalt sind viel zu hoch und im Preis nicht enthalten!

19.07.2014


Unter der Überschrift "Sortiment in Supermärkten - Von allem zu viel" berichtet die Süddeutsche Zeitung über die Machenschaften der Konsumgüterbranche, um trotz ausreichendem Angebot den Konsum der Wegwerfgesellschaft anzukurbeln.

08.12.2014

(*) Hierzu jetzt der Beweis: "Wurst-Kartell hat Preis für Aldi abgesprochen". Wie von mir dargestellt, handelt es sich bei der Absprache der Wurstfabrikanten tatsächlich um eine Gegenwehr gegen die Preisdrückerei von Aldi. Dafür habe ich volles Verständnis und fordere auf diesem Wege die Politik auf, sich für einen fairen Wettbewerb einzusetzen.

21.07.2014

Bitte lesen Sie auch meine Stellungnahme aus Anlass eines Berichts der Rheinischen Post über die Tricks des Handels - Wie die Konsumenten beeinflusst werden

04.04.2016


Aus Anlass des Todes von Karl Albrecht berichtet die Süddeutsche Zeitung, "Wie der Aldi-Gründer sein Geld vor dem Staat schützte ". So sehr die Aldi-Kunden von dem Discounter-Prinzip profitiert haben mögen, die Gründer selbst sind auch keine reinen Wohltäter gewesen! Irgend jemand muss die Last getragen haben. Die Eingangsfrage auf dieser Seite, ob Kosten und Erträge im Lebensmittelgeschäft gerecht verteilt sind, bleibt also immer noch unbeantwortet.

24.07.2014


Antwort des Bundeskartellamtes

Das Bundeskartellamt hat mir auf meine eingangs dieser Seite gestellten Fragen geantwortet:

(...) In den meisten Volkswirtschaften ist heutzutage unumstritten, dass Kartellabsprachen für den Verbraucher zu höheren Preisen und einer Verschlechterung des Angebots führen und damit eine hohe Sozialschädlichkeit aufweisen. Ebenso anerkannt ist, dass wirtschaftliche Probleme nicht durch Wettbewerbsbeschränkungen zu lösen sind. Im Gegenteil: Nachhaltiges Wachstum und dauerhaft sichere Arbeitsplätze werden nur durch wettbewerbsfähige Unternehmen geschaffen. (...) Das Bundeskartellamt entscheidet seine Fälle ausschließlich nach ökonomischen Kriterien und unter Anwendung des Kartellrechts. Im vorliegenden Fall wurden Preisabsprachen über viele Jahre praktiziert. Gerade bei der Bußgeldbemessung sind wir in der teilweise mittelständisch geprägten Branche mit Augenmaß vorgegangen. Zu Gunsten der Unternehmen haben wir das besondere Umfeld – zwischen dem Lebensmitteleinzelhandel auf der einen Seite und einer ebenso stark konzentrierten Fleischbranche auf der anderen Seite – berücksichtigt. Die Kartellverfolgung ist nicht nur darauf gerichtet, Kartelle aufzudecken und zu beenden. Wesentliches Ziel ist auch eine möglichst große Abschreckungswirkung. Denn die negativen Auswirkungen wettbewerbsbeschränkender Absprachen können am besten vermieden werden, wenn Kartelle erst gar nicht entstehen. Entsprechend muss die Wahrscheinlichkeit hoch genug sein, dass illegale Kartelle auch entdeckt und empfindlich geahndet werden.

Diese Antwort geht völlig an meiner Fragestellung vorbei. Dies habe ich dem Bundeskartellamt auch geschrieben und weiter ausgeführt:

Es sind doch die wenigen Lebensmittelketten, die den Preisdruck auf die Erzeuger ausüben, was zu den katastrophalen Verhältnissen in der Fleischindustrie mit ihrem Lohndumping und zu den Problemen der Landwirtschaft führen.

Mit Ihren Ausführungen bestätigen Sie den völlig falschen Ansatz, dass alles billig sein müsse, damit der Verbraucher davon profitiere. (...) Unsere Marktwirtschaft hat sich gemäß Auftrag des Grundgesetzes sozial auszurichten. Was nutzt es dem Verbraucher, wenn alles billig ist, dafür aber Hungerlöhne aus Steuermitteln aufgestockt werden müssen (...) und die Qualität immer schlechter wird und gesundheitliche Probleme erzeugt?

Als verantwortungsbewusster Bürger liegt es mir am Herzen, dass die Politik und die ausführende Verwaltung unser Grundgesetz ernst nehmen. Eine rein monetäre Betrachtung der Wirtschaft wird den Vorstellungen der Mütter und Väter des Grundgesetzes nicht gerecht. Und was für die Fleischindustrie im Besonderen aber auch allgemein für die Lebensmittelbranche gilt, ist doch die alte Volksweisheit: "Was nichts kostet ist auch nichts!"

Was nutzen dem Bürger billige Lebensmittel, wenn sie nur unter völlig unsozialen und umweltschädlichen Bedingungen erzeugt werden? Sind diese Berichte völlig an Sie vorbeigegangen? Tragen Sie Scheuklappen, damit Sie nicht sehen, welche Probleme der Lebensmittelmarkt auslöst?

Passend zu dem Thema wurde gestern Abend in der Sendung "Markt" auf NDR3 darüber berichtet, wie Fleisch mit Wasser aufgepumpt wird, um durch die so erzielte Gewichtszunahme zu höheren Einnahmen zu gelangen. Und die Verbraucher wundern sich, dass das Fleisch in der Pfanne schrumpft. Für das verdunstete Wasser zahlte der Verbraucher in dem vorgerechneten Beispiel einen Preiszuschlag von 80 Eurocent auf den Grundpreis!

Das Ergebnis wundert einen verständigen Menschen überhaupt nicht. Es bestätigt eben nur die Volksweisheit.

05.08.2014


Fragwürdige Ministerentscheidung und ein Rücktritt

Folgende Eilmeldung geistert heute durch die Medien: "Eklat um Edeka".

Wirtschaftsminister Gabriel hat zugestimmt, dass Edeka die Kaiser's-Märkte übernehmen darf; nun ist der Vorsitzende der Monopolkommission zurückgetreten, weil Gabriel gegen deren Empfehlung entschieden habe und die nun erteilte Erlaubnis dem Verbraucher schade.

Wie ich in meinem Schriftwechsel mit dem Bundeskartellamt verdeutlicht habe, darf man bei Fragen des Lebensmitteleinzelhandels nicht nur die Verbraucher im Blick haben. Man muss einfach auch mal den Beginn unserer Nahrungskette betrachten. Und da ist es die Landwirtschaft, die unter dem Preisdruck der Discounter leidet.

Nachdem das Kartellamt die Übernahme der Kaiser's-Märkte durch Edeka abgelehnt und auch die Monopolkommission diese Linie einstimmig mitgetragen hat, hatte ich den Eindruck gewonnen, dass man in den zuständigen Behörden gelernt hat.

Wenn jetzt der Vorsitzende der Monopolkommission mit seinem Rücktritt unterstreicht, was er von der abweichenden Ministerentscheidung hält, und einhellige Kritik an der Entscheidung des Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel auch von Bundesagrarminister Christian Schmidt, vom Deutschen Bauernverband und von den Markenartikel-Herstellern kommt, zeigt mir das, dass sich der gesamte Einzelhandel in einer Schieflage befindet. Eine gerechte Verteilung von Risiken und Chancen ist nicht mehr gegeben.

Wenn sich die Marktbeherrschung jetzt in immer weniger Händen bündeln wird, wird der Druck auf die schwächsten Glieder der Versorgungskette immer massiver. Gut, dass ein Fachmann mit seinen Rücktritt ein Zeichen gegen diese Tendenz gesetzt hat.

17.03.2016

PS: Vergleichen Sie bitte auch meine Ausführungen zur Geldpolitik der EZB.

23.03.2016 Tagesschau: "Bauern bangen um ihre Existenz"

30.03.2016 Rheinische Post: "Bauern: Landwirtschaft lohnt sich nicht"


Wendepunkt im Kampf um gerechte Preise?

Unter der Überschrift "Landwirte demonstrieren gegen Discounter" berichtet die Rheinische Post auch über eine Äußerung des Präsidenten des Bundes-kartellamtes, Andreas Mundt, die Landwirte mögen doch Erzeuger-gemeinschaften gründen, um dem stark konzentrierten Lebensmittel-einzelhandel besser entgegen treten zu können.

Diese Äußerung liegt ganz auf der Linie des Rücktritts des Vorsitzenden der Monopolkommission nach einer fragwürdigen Ministerentscheidung. Jetzt ist es an den Landwirten, diesen Rat aufzugreifen und sich gegen den Handel zu verbünden. Dann könnte diese Nachricht als Wendepunkt in die Geschichte um gerechte Preise eingehen.

20.04.2016

21.05.2016 Rheinische Post: "Wir Landwirte stehen im Regen"

Zitat: "Auf der einen Seite wird mehr Tierwohl gefordert, aber an der Ladentheke wird zum überwiegenden Teil zum billigsten Angebot gegriffen. Mehr Tierwohl kann es nicht zum Nulltarif geben - dafür haben die Bauern kein Geld mehr."

26.05.2016 Rheinische Post: "1800 Bauernhöfe in NRW bedroht"

Es rächt sich, dass die Landwirtschaft über Jahrzehnte per Subventionen und Mengenbestimmung staatlich gegängelt wurde. Lesen Sie bitte hierzu auch unter Subventionen für die Landwirtschaft.


12.07.2016 - Rheinische Post:
"Gericht stoppt Tengelmann-Übernahme durch Edeka"

Zitat aus dem Bericht: "Auch Gabriels Argumentation, dass durch seine Vorgaben die Sicherung von rund 16 000 Arbeitsplätzen gewährleistet werde, stieß bei den Richtern auf Zweifel."

So löblich es ist, wenn sich die Politik um die Rettung von Arbeitsplätzen sorgt, so falsch ist es aber zu glauben, das könne mit dem Kartellrecht machbar sein. Ganz im Gegenteil, die Fusion von Unternehmen wird immer mit dem Ziel betrieben, durch Rationalisierung wettbewerbsfähiger zu sein als der Konkurrent. Und wenn Unternehmen deswegen zum Opfer von Aufkäufen werden, weil sie mangels Umsatz keinen ausreichenden Gewinn mehr abwerfen, stehen so oder so auch die Arbeitsplätze auf der Streichliste.

Service im Handel kostet Geld. Und wenn die Politik die dazu erforderlichen Arbeitsplätze retten will, muss sie endlich über eine Entlastung der Arbeitskosten nachdenken. Da schließt sich der Kreis wieder zu meinen Überlegungen über den Wert der Arbeit und die soziale Marktwirtschaft.


26.06.2017 - FAZ: "Kartellsünder nutzen die 'Wurstlücke' "

Zitat aus dem Bericht:

"Die beiden Untergesellschaften wurden mit anderen Tochterunternehmen verschmolzen und aus dem Handelsregister gelöscht. Rechtlich waren sie nicht mehr existent, so dass der Bescheid des Kartellamtes ins Leere ging. Und da die Konzern-Muttergesellschaft nicht für Verfehlungen ihrer Töchter haftbar gemacht werden konnte, waren alle Razzien und Ermittlungen vergebens."

Legal - aber unmoralisch!


Woher die Billigangebote der Lebensmitteldiscounter kommen

09.07.2018 - Tagesschau.de: "EU-Millionen für Ausbeuter"

Zitate aus dem Bericht:

"Allein ein Gemüseproduzent in der spanischen Provinz Almeria in Andalusien hat nach Informationen des Bayerischen Rundfunks in den vergangenen drei Jahren 3,4 Millionen Euro Fördermittel erhalten, trotz Verstößen gegen Lohn- und Arbeitsschutzregeln. Erntehelfer klagen über zu niedrige Löhne und den Einsatz von giftigen Spritzmitteln ohne Schutzkleidung."

"Insgesamt 58 Milliarden Euro schüttet die EU jedes Jahr an Agrarsubventionen aus. Davon gehen rund 70 Prozent als Direktzahlung an die Landwirte. Bei der Vergabe spielen Sozialstandards wie Arbeitsrecht und Mindestlöhne keine Rolle."

"Zehntausende Migranten und Flüchtlinge suchen in der Landwirtschaft in Spanien und Italien Arbeit. Durch die steigenden Zahlen wird der Konkurrenzdruck größer. Viele Landwirte und Grundbesitzer nutzen die Not der Arbeitssuchenden skrupellos aus."

"Die Ware der kritisierten Landwirte und Anbaubetriebe landet auch in Deutschland in den Regalen der großen Supermarktketten. Produkte aus Spanien wurden in den Geschäften von Edeka, Rewe, Real, Penny und Lidl gefunden. Bauern aus Almeria beklagen: Die deutschen Händler seien die größten Preisdrücker. Laut der Hilfsorganisation Oxfam wird der Kostendruck in voller Härte an die Erntehelfer weitergegeben und ist ein Hauptgrund für die Ausbeutung der Arbeiter."

Ist das christlich und sozial? Unser Wohlstand, der sich in überquellenden Regalen darstellt und wegen der Billigpreise anstrengungsfrei gelebt wird, schreit zum Himmel. Wo bleibt da die Verantwortung des Kunden?

Damit wären wir wieder bei den Eingangsfragen auf dieser Seite!


Der Wert unserer Lebensmittel

03.02.2020 - Tagesschau.de:
"Debatte über Billigangebote - Lebensmittel zum Spottpreis?"

Zitat aus dem Bericht:

"Niedrige Preise locken Kunden in die Geschäfte, aber am Ende zahlt oft der Bauer drauf, vor allem wenn Lebensmittel wie Fleisch oder Milch unter den Produktionskosten verkauft werden."

Ich will hier nicht die aktuelle Diskussion aus Anlass des Gipfels im Kanzleramt wiederholen, habe aber inzwischen die Bundeskanzlerin, die Landwirtschafts-ministerin und den Bauernverband auf meine vorstehende Auffassung aufmerksam gemacht.

Warum dürfen Bauern sich nicht in starken Vermarktungsgenossenschaften zusammenschließen und so mit dem Handel faire Lieferbedingungen und Preise aushandeln? Hier muss das Kartellrecht dringend überarbeitet werden. Es darf nicht sein, dass das Kartellamt allein auf Preissenkung hin arbeitet. Vergl. dazu die dusselige Antwort, die ich von dort erhalten habe.


Und jetzt Corona-Pandemie!


Fleischindustrie in der Kritik

13.05.2020 - Tageschau.de: "Corona und die 3,99-Schnitzel"

Zitat aus dem Bericht:

Wie jedes Mal, wenn es um die Zustände in Schlachthöfen geht, gibt es aber auch diesmal diejenigen, die davor warnen, die Verantwortung nur auf Politik und/oder Wirtschaft abzuwälzen. Dazu gehört zum Beispiel der Kölner Weihbischof Ansgar Puff.

Alle seien über die vielen Corona-Fälle in Schlachthöfen erschrocken, so Puff. "Aber in Wirklichkeit kommt nur die Wahrheit raus, vor der wir immer die Augen zumachen": Das Grillfest sei nur deshalb so billig, weil Osteuropäer wie Sklaven in den Schlachthöfen arbeiteten. "Billiges Grillfleisch ist uns einfach zu lieb."

Endlich mal ein klares Wort von einem Mann der Kirche!

Und das Problem der ungerechten Behandlung der Werkvertragsarbeiter hätte längst gelöst sein können, wenn die Politik meine Vorschläge zur Einführung einer Wertschöpfungsabgabe umgesetzt hätte. Dort habe ich nämlich ausgeführt:

Und noch ein Effekt dürfte sich einstellen, nämlich der, dass es sich für Unternehmen nicht mehr auszahlt, ihre Gewinne durch das Abdrängen der Arbeitnehmer in Minijobs und zweifelhafte Werkverträge zu steigern. Denn je höher die Differenz zwischen der Summe der in vollem Umfang sozialversicherungspflichtigen Löhne und dem erzielten Umsatz ist, desto höher ist die Wertschöpfungs-abgabe. Mit meinem Vorschlag könnte somit ein starker Anreiz geschaffen werden, die Arbeitnehmer durch angemessene Löhne an den wirtschaftlichen Erträgen zu beteiligen. Gewinnerzielung aufgrund von Dumpinglöhnen würde eben stärker belastet.

Aber diesen Vorschlag will ja niemand hören!


Hier eine Statistik über die
Nutztierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland


Endlich tut sich was!

21.05.2020 - Rheinische Post: "Aus für Werkverträge in der Fleischindustrie"

Zitat aus dem Bericht:

"Die Bundesregierung zieht tiefgreifende Konsequenzen aus den Corona-Infektionen bei Beschäftigten der Fleischindustrie und ahndet damit auch jahrelange Verstöße gegen den Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Branche. Ab Januar 2021 werden Werkverträge (...) weitgehend verboten."

21.05.2020 - Tagesschau.de: "Wandert die Fleischindustrie ab?"

Zitat aus dem Bericht:

"Die Fleischwirtschaft droht nach der Kabinettsentscheidung zu Werkverträgen mit Abwanderung."

Ich vermag dem Aufschrei der Fleischindustrie keine Sympathie entgegen zu bringen. Die Massentierhaltung ist Tierquälerei und mit der Gülle gefährden wir unser Grundwasser. Und hoffentlicht ist jetzt in allen Köpfen angekommen, dass der Massenverbrauch an billigem Fleisch nur durch die schlimme Sklavenhaltung möglich ist. Wer noch irgend etwas Achtung vor seinen Mitmenschen und der Natur hat, muss froh darüber sein, dass diese Ausbeutung von Mensch und Tier nun beendet werden soll.

Es stört mich nur, dass sich die Abschaffung der Werkverträge allein auf die Fleischindustrie beschränken soll. Das ist zu eng gedacht. Wir brauchen endlich eine unmittelbare Verantwortung für die anständige Bezahlung von Arbeitern von dem, der ihre Leistung in Anspruch nimmt. Und wenn in den Berichten zu lesen ist, dass man "für viele manuelle Arbeiten wie in der Fleischwirtschaft (...) keine Arbeitskräfte mehr auf dem deutschen Markt" finde, belegt das doch nur die mangelnde Bereitschaft, für notwendige Arbeit einen ordentlichen Lohn zu zahlen.

Und dass es soweit gekommen ist, dass das Ausland auf die Zustände in der deutschen Fleischindustrie hinweist und sie "schockierend und beschämend für Deutschland" nennt, sollte uns alle doch endlich aufrütteln, diese Schmach nicht länger hinzunehmen.

Es ist an der Zeit, endlich ganz grundsätzlich über den Wert der Arbeit nachzudenken. Wenn Fußballspieler und Manager Millionen verdienen und auch Facharbeiter in der Automobilindustrie nicht schlecht entlohnt werden, muss auch Geld vorhanden sein, diejenigen ordentlich zu bezahlen, die sich für unser täglich Unterhalt abrackern. Immerhin erfreulich, dass die Kundschaft bereit ist, dafür höhere Fleichpreise zu zahlen.


Schon wieder!

18.06.2020 - Rheinische Post: "Corona-Ausbruch im Schlachthof"

Zitat aus dem Bericht:

"Wegen des Corona-Ausbruchs in der Belegschaft ist der Schlachtbetrieb am Mittwochmittag gestoppt worden; weitere Bereiche werden nach und nach heruntergefahren, teilte das Unternehmen mit. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) hatte die Schließung angeordnet. Ab neun Uhr durften keine neuen Schweine mehr angenommen werden; 20 Prozent der deutschen Schweine-verarbeitung stehen damit still. Wie lange der Produktionsbereich geschlossen bleibt, entscheiden die Behörden."

"Wegen der hohen Anzahl an Infektionen hat der Kreis Gütersloh rund 7000 Menschen unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind alle Personen, die auf dem Werksgelände gearbeitet haben. Sie werden nun nach und nach auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Schulen und Kitas im Kreis werden bis zu den Sommerferien geschlossen."

Und in ihrem Kommentar "Ein Fleisch-Skandal mit Ansage" schreibt die Rheinische Post:

"Zur Wahrheit gehört auch, dass schnäppchenwütige Verbraucher ein System fördern, in dem Schweine in Kästen gehalten und Tiere 'just in time' angeliefert werden wie Reifen bei VW, in dem nur Billiglöhner aus Osteuropa unter fragwürdigen Bedingungen arbeiten wollen. Wer Billigfleisch kauft, darf sich nicht wundern, dass die Produktionsbedingungen billig sind."

In dem Satz ist viel von dem gebündelt, was ich schon seit Jahren auf dieser Seite zusammengetragen habe. Es fehlen allerdings zwei Hinweise:

  • Bereits am Anfang dieser Seite habe ich meinen Schriftwechsel mit dem Kartellamt zitiert. Danach ist es staatliche Maxime, die Verbraucherpreise niedrig zu halten. Der Satz "Geiz ist geil" kommt also nicht von ungefähr; er ist gesetzlich vorprommiert. Da sollte sich die Politik jetzt nicht so entrüstet geben.

  • Clemens Tönnies ist eben auch Sportfunktionär (FC Schalke 04) und als solcher mitverantwortlich für die horrenden Spielergehälter. Da passt doch einfach etwas nicht zusammen! Werden die Arbeiter in der Fleischindustrie auch deswegen ausgebeutet, damit neben dem billigen Fleisch auch die Fußballunterhaltung finanziert werden kann? - In Anlehnung an eine alte römische Regierungsmaxime: "Fleisch und Fußball für das Volk"?

Es ist noch viel zu tun, um Arbeit wieder richtig wert zu schätzen.


Übrigens; interessante Infos zur Fleischproduktion finden sie hier:
Thünen-Institut

"Deutschland bleibt aber Nettoexporteur und behält seine Position als weltweit größter Exporteur von Schweinefleisch."

Da stellt sich nun wirklich die Frage, ob es sinnvoll ist, in Deutschland Dumpinglöhne an ausländische Werksarbeitnehmer zu zahlen, damit wir auch auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind. Da kann man die Massentierhaltung und das Schlachtgeschäft doch lieber von vornherein den Importländern überlassen. Irgendetwas ist da schief im Denken der Agrarfabriken!


22.06.2020 - Rheinische Post: "Fangt endlich an zu verzichten­!"

Zitat aus dem Kommentar:

"Wem die Massentierhaltung bisher noch nicht Grund genug war, seinen Fleischkonsum zu zügeln, dem hilft jetzt vielleicht das Argument der auch nicht neuen, aber neu in den Fokus gerückten Massenmenschhaltung."

Unterstreichungen von mir!

Ein treffender Kommentar, der die moderne Sklaverei beschreibt!


Gefunden in der Süddeutschen Zeitung:
"Der Fleischbaron auf Schalke"


Übrigens, wer Billigfleisch kauft, sollte folgendes bedenken:
Was nichts kostet ist auch nichts. Wenn das Schnitzel oder der Braten schrumpfen, haben Sie sehr teuren Wasserdampf bezahlt!

Verleiche dazu den Hinweis in der Sendung Sendung "Markt" auf NDR3.

Neue Tricksereien von Tönnies?

30.07.2020 - Tagesschau.de: "Umgeht Tönnies die neuen Regelungen?"

Zitate aus dem Bericht:

"Dem Fleischkonzern Tönnies wird vorgeworfen, neue Gesellschaften zu gründen, um das Verbot von Werkverträgen zu umgehen."

"Es sei momentan noch völlig unklar, welche Organisationsformen das geplante Gesetz vorsieht. "Vorsorglich haben wir deshalb diese Gesellschaften gegründet", sagte der Sprecher. Mit diesen Gesellschaften könne Tönnies Direkteinstellungen an verschiedenen Standorten und für die verschiedenen Gesellschaften im Konzern schnell umsetzen, heißt es weiter."

"Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen unterscheiden sich durch das Ausmaß der Arbeitsteilung, die Höhe des Kapitaleinsatzes sowie die Komplexität der Produktionsabläufe. Eine exakte Abgrenzung sei aber nicht immer möglich, schränkt das Gabler Wirtschaftslexikon ein, da die Industrie historisch aus dem Handwerk hervorgegangen sei."

Ich kann da dem Verdacht der Kitiker nur zustimmen. Warum wird denn heute ein großer Konzern immer wieder in viele kleine Gesellschaften zerlegt? Gerade Tönnies war doch aufgefallen mit seiner Vermeidungsstrategie von Kartell-Strafen gegenüber einzelnen Firmen seines Konzerns. Und deshalb hat die ganze Trickserei auch einen prima Namen: "Wurstlücke"!

Ich meine mich zwar zu erinnern, dass diese Lücke inzwischen geschlossen sei, aber es zeigt sich eben immer wieder, dass unser Gesetzgeber viel zu langsam reagiert. Aufgrund meiner steuerrechtlichen und -politischen Erfahrungen habe ich die Langsamkeit der politischen Reaktionen bereits vor Jahren unter der Überschrift Luxemburg-Leaks - Steuertrickser vom Dienst dargestellt. Warum sollte das auf dem Feld des Kartellrechts anders ablaufen?

Dazu nun auch die Rheinische Post:
"Wirbel um neugegründete Tönnies-Firmen"

Zitate aus dem Bericht:

"Die Eintragung von 15 Gesellschaften ins Handelsregister erzeugt bei Beobachtern ein ungutes Gefühl. Nutzt der Konzern nun Schlupflöcher, um das Gesetz gegen Werkverträge zu umgehen?"

"Der Chef der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, Thomas Kutschaty, sprach von Scheingeschäften, die verhindert werden müssten. 'Daher werde ich Bundesminister Heil anschreiben und eine kleine Ergänzung seines Entwurfs anregen.' Konkret will Kutschaty das Gesetz um den folgenden Satz ergänzen: 'Die Vorschriften dieses Abschnitts finden auch Anwendung, wenn sie durch anderweitige Gestaltungen umgangen werden.' Damit werde ein Schlupfloch gestopft. 'Ich bin zuversichtlich, dass der Minister meine Anregung aufgreift', so Kutschaty."

So einfach scheint das mit dem neuen Gesetz von Herrn Heil also doch nicht zu sein. Die Besorgnis der Kritiker ist also wohl als berechtigt anzusehen.


Eine aufschlussreiche Analyse

01.08.2020 - Süddeutsche Zeitung: "Weniger Tiere, höhere Fleischpreise"

Zitate aus dem Bericht:

"Als Nutznießer der Preisdrückerei gelten Verbraucher, die nie zuvor so wenig Geld für Schnitzel, Steak oder Wurst ausgeben mussten. Arbeitete ein Mensch für ein Kilo Rindfleisch 1960 noch mehr als zwei Stunden, reichte 2019 dafür weniger als eine halbe Stunde. Die eigentlichen Gewinner aber sind die Fleischindustrie und der Handel. Familiendynastien wie Tönnies, Aldi und Lidl haben Milliarden-vermögen aufgebaut, auch dank der Ware Fleisch. Agrarkonzerne, die Ausrüstung und Tierfutter liefern, kommen ebenfalls auf einen guten Schnitt."

"Es war ausgerechnet eine grausame Pandemie, die im Mittelalter die Produktion ankurbelte. Die große Pest dezimierte im 14. Jahrhundert die Bevölkerung so stark, dass Ackerland mangels Arbeitskräften brachlag und zu Weideland wurde. Der Tierbestand wuchs. Selbst die Ärmsten konnten sich täglich Fleisch leisten."

"Die maßgeblichen Determinanten für den Fleischkonsum waren für sehr lange Zeit die Größe der Bevölkerung und die vorhandenen Agrarflächen. Sie definierten eine natürliche Obergrenze für die Zahl der Tiere in Ställen und auf Weiden. Die Agrarpolitik der Nachkriegszeit beging aus heutiger Sicht den großen Fehler, die Koppelung zwischen vorhandener Fläche und Tierzahlen aufzuheben. Heute kann ein Erzeuger Zehntausende Schweine halten, ohne dass er dafür Ackerland besitzen muss, auf dem er die Gülle seiner Tiere ausbringen kann. Das nötige Tierfutter kauft er zu. Das Nitrat- und Grundwasserproblem Deutschlands hat hier seinen Ursprung. Zu viele Tiere, zu wenig Land - das ist eine Gleichung, die auf Dauer nicht aufgeht."

Bitte lesen Sie den Artikel selbst in voller Länge. Es lohnt sich, um mehr Verständnis für die Probleme der Nahrungsmittelerzeugung zu gewinnen.

Besuchen Sie auch bitte meine Ausführungen zur Landwirtschaft. Zum Einstieg bietet sich das Thema Gesunde Kreislaufwirtschaft an. Darin treffen sich meine Überlegugnen mit der vorstehenden Analyse der Süddeutschen Zeitung.


Die Sicht eines Theologen auf die Fleischindustrie

Im Rahmen meiner Beschäftigung mit der Frage, ob es eine theologische Begründung für die Corona-Pandemie gibt, habe ich inwischen das Interview mit einem Alttestamentler gefunden und daraus zitiert. Ein weiteres Zitat möchte ich nun hier einfügen:

"Ganze Landkreise müssen wieder in den Lock-Down, weil sie bisher von einer völlig fehlgeleiteten und ausbeuterischen Wirtschaftsweise kurzfristig profitiert haben. Die Fleischpreise in den Supermärkten waren mir bisher schon nicht geheuer – die Corona-Krise bringt nun Abscheuliches an den Tag. Diese Dumping-Preise für Fleischprodukte sind aus zwei Gründen möglich: Tiere werden auf grausame Art und Weise “produziert” und dann geschlachtet, und Menschen, die das tun müssen, werden wie Sklaven in wirtschaftlicher Abhängigkeit gehalten. Gott – so lese ich in der Bibel – will das nicht! Die Speisevorschriften in Levitikus 11 begrenzen den Zugriff des Menschen auf die Tierwelt zur Fleischgewinnung in vernünftiger Weise. Natürlich müssen wir diese Vorschriften nicht 1:1 wörtlich umsetzen, aber der Impuls bleibt: Der Mensch darf nur begrenzt und in schonender Weise auf die Tiere zugreifen, um sein Nahrungsbedürfnis zu befriedigen. Wenn ich die Geschichte vom Auszug aus Ägypten im Buch Exodus lese, aber auch die etwas komplizierten Vorschriften in Levitikus 25, dann merke ich, dass Gott den Menschen frei will: Dazu gehören auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit und Verhältnisse, die es dem Menschen ermöglichen, vom Ertrag seiner Arbeit gut zu leben. Davon ist die momentane “Fleischindustrie” meilenweit entfernt: Verwickelte Strukturen von Subunternehmen haben die Verantwortung dafür versteckt, dass Menschen (meist aus Osteuropa) in brutaler Abhängigkeit gehalten und um ihren gerechten Lohn gebracht werden. Wer im Supermarkt ein billiges Steak oder “preisgünstige” Würstchen kauft, ahnt davon nichts – zahlt aber faktisch einen viel höheren Preis, als er an der Kasse abgebucht wird. Billigfleisch kostet nicht nur Euros, sondern geht auch massiv auf Kosten der Lebensweise von Tieren und Menschen. Warum schlägt jetzt das Corona-Virus ausgerechnet in diesen Schlachthöfen zu und wirbelt eine Industrie durcheinander, die bisher heimlich, still und leise immensen Profit scheffelte auf Kosten der Natur, der Tiere und einiger weniger Menschen, die eben Pech gehabt haben? Kann ich das nicht auch als ein Warnsignal Gottes auffassen? Wenn sich hier etwas verbessern soll, reicht es nicht, wenn sich ein Milliardär aus dem Tagesgeschäft zurückzieht – unser aller Lebensstil muss sich ändern, und zwar massiv. Aufklärung über die wahren Verhältnisse muss her, Bewusstsein muss gebildet werden – aufwachen müssen wir alle!"


Und noch ein Theologe äußert sich:
Theologische Sicht auf die Landwirtschaft


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