Massentourismus

als eine der Ursachen für den Klimawandel

Unter der Überschrift "Venedig knapp an Katastrophe vorbei" berichtet die Tagesschau über einen spektakulären Unfall mit einem Kreuzfahrtschiff auf den Kanälen von Venedig. Glücklicherweise hat es nur Verletzte gegeben. Die Diskussion um die Sicherheit der Welterbe-Stadt ist aber wieder befeuert worden.

Auch von der Ferieninsel Mallorca waren in jüngster Vergangenheit schon Klagen über den Massentourismus zu lesen. Als Beispiel dazu habe ich jetzt diesen Bericht gefunden: "Mallorca im TV: 'Inseln vor dem Kollaps' ".

Es muss wirklich die Frage erlaubt sein, wohin uns dieser Massentourismus noch führen soll.

Das macht jetzt ein Artikel in der Rheinischen Post deutlich: "Wie wir die Welt kaputtreisen".

Ich gönne jedem seine Urlaubsreise. Auch ich bin in jungen Jahren und später mit der Familie immer wieder gereist. Es handelte sich aber um individuelle Veranstaltungen.

Schon als Kind war ich gegenüber den Schulkameraden privilegiert, weil ich in den Sommerferien verreisen konnte. Das hatte aber familiäre Gründe. Wir hatten aufgrund der Familiengeschichte vor Ort keine Verwandten. Schon mein Vater, seine Eltern und sein Bruder mussten aus beruflichen Gründen ihre Wohnsitze mehrfach wechseln. So kam es, dass meine Mutter in den Ferien das Bedürfnis hatte, ihre Familienmitglieder im Münsterland zu besuchen. Später bin ich sogar allein mit der Bahn gereist, um die Ferien bei Verwandten aus dem väterlichen Zweig unserer Familie zu verbringen.

Während meiner Ausbildung bin ich mit dem Fahrrad in Deutschland und sogar in der Schweiz unterwegs gewesen. Später haben wir uns mit dem Auto und dem Zelt in Oberitalien umgesehen. Auf Rundfahrten durch die Alpen hat mich das Bergfieber erwischt. So habe ich an zwei geführten Bergwanderungen teilgenommen. Es waren prägende Erlebnisse für Gemeinschaftssinn und Naturverständnis. Auch mit zwei Städtetouren nach Brüssel und Paris verbinde ich schöne Erinnerungen. Für zwei Reisen nach Griechenland gab es einen familiären Anlass.

Später mit der Familie haben wir Reisen in ganz Deutschland unternommen; nach der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern. So sind wir auch an Orte gelangt, von denen schon meine Großmutter zu berichten wusste. Als Kind hatte sich der Eindruck verfestigt, dass auch meine Großeltern sehr reiselustig gewesen seien.

Als ich mir nach einer Reise in den Schwarzwald die alten Fotoalben meiner Großeltern angesehen habe, um die Veränderung der Orte zu vergleichen, die schon meine Großeltern besucht hatten, musste ich dann feststellen, dass diese in ihrem ganzen Leben nur zwei Reisen unternommen hatten. Eine Reise in den Schwarzwald verbunden mit einer Rundfahrt zum Vierwaldstätter See und eine Reise nach Thüringen. Aber meine Großmutter hat davon bis ins hohe Alter immer wieder detailreich erzählt.

Warum berichte ich das so ausführlich?

"Reisen bildet" ist schon eine alte Volksweisheit. Allein schon die Planung einer individuellen Reise erzeugt Vorfreude. Und weil man früher noch keine Digitalkameras kannte, ging man auch sorgsam mit seinem Filmvorrat um, und es war spannend, nach der Rückkehr auf die Ergebnisse der Fotoausbeute zu warten.

Der heutige Tourismuns ist geprägt von dem Rundum-sorglos-Paket. Es mag zwar ein Erlebnis sein, per Fernreise auf fremde Kontinente vorzustoßen. Die Fülle des dabei Erlebten will aber doch auch verarbeitet werden. Und das vergleiche ich mal mit den Erlebnissen meiner Großmutter. Wird die heutige Generation der Massentouristen den gleichen Erlebniswert verinnerlichen, von dem sie auch im hohen Alter noch berichten können? Oder wird es so sein, dass die Erinnerungen verblassen, ineinander verschmelzen und nicht mehr zugeordnet werden können?

Und die wichtigste Frage: Wie geht es den Orten, die vom Massentourismus überschwemmt werden? Die eingangs ewähnten Berichte über Venedig und Mallorca machen doch deutlich, welcher Schaden diesen Regionen zugefügt wird. Auf dem Feldberg im Schwarzwald habe ich vor Jahrzehnten ein Hinweisschild gefunden, man möge doch auf den Wegen bleiben, damit sich die Natur von den Schäden durch den Wintersport erholen könne. Mich erinnert das immer wieder an die Geschichte vom Alpenschwein:

Darüber sollte mal so mancher Zeitgenosse, der auf sein Recht zu reisen pocht, nachdenken und sich der Frage stellen, ob das Reisen noch nachhaltig ist.

Diese Gedanken hatte ich bereits im Sommer "auf Vorrat" niedergeschrieben. Jetzt geht die Meldung von der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook durch die Medien. Das erscheint mir als Menetekel, doch einmal ernsthaft darüber zu diskutieren, ob dieser Massentourismus noch zeitgemäß ist. Die Flüchtlingskrise bringt uns doch die Probleme der Welt ins eigene Land. Ist es nicht auch unsere Selbstdarstellung in der Welt, die das provoziert hat?

24.09.2019


11.10.2019 - Rheinische Post:
"Trotz Greta und Thomas Cook – Fliegen boomt wie nie zuvor"

Zitat aus dem Bericht:

"Keine Reiseart ist umstrittener, als das klimaschädliche Fliegen per Jet. Trotzdem ist die Flugfreude der Bürger so groß wie nie. So erwartet der Flughafen Düsseldorf alleine in den am Freitag – nach Schulschluss – startenden Herbstferien 1,4 Millionen Reisende, 2,5 Prozent mehr noch als im Vorjahresherbst, als die Air-Berlin-Krise schon überwunden war."

Wenn da neue Rekorde in den Herbstferien gefeiert werden, möche ich - ganz im Sinne dieser Seite - daran erinnern, wie die Herbstferien - oft schon kurz nach den Sommerferien - entstanden sind. Es waren die "Kartoffelferien", die der Landwirtschaft helfen sollten, in der herbstlichen Erntezeit genügend Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben.

Ich selbst kann mich noch an manchen Einsatz bei der Ernte erinnern. So anstrengend das Aufsammeln der Kartoffeln auch war, es war auch gemeinschaftsfördernd, den Tag mit einem "Kartoffelfeuer" zu beenden. Dabei wurde aus dem Kartoffelkraut ein Feuer entzündet und darin die Kartoffeln geschmort. Kein Vergleich mit den heutigen "Folienkartoffeln".

Das waren schöne Urlaubserlebnisse - ganz ohne Klimaschäden!


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