Extremsommer 2018

So zockt die Stadt ihre Bürger ab

Im Laufe der Jahre habe ich meine Vorrichtungen zum Sammeln und speichern von Regenwasser systematisch ausgebaut, um damit meinen Garten zu bewässern. Ich habe auch seither kaum Frischwasser zapfen müssen, um eine Trockenzeit zu überbrücken.

Der Sommer 2018 hat das Sytem aber total überfordert, weil die allseits erlebte Trockenheit äußerst extrem war. Nach dem Motto "Gras ist ein Steppengewächs und verträgt auch Trockenheit" habe ich mich bei der Bewässerung unseres Gartens auf das dringend Notwendige beschränkt. Gleichwohl musste ich nach Erschöpfung meiner Vorräte reichlich Frischwasser in den Garten gießen.

Als dann absehbar war, dass das teuer werden wird, habe ich mich erstmals an die Stadt gewandt und gefragt, unter welchen Bedingungen - außerhalb der Satzungslage - eine Ermäßigung der Abwassergebühr möglich ist. Schon damals und jetzt nach meinem förmlichen Antrag bekam ich zur Antwort, dass eben die Gebührensatzung zur Entwässerungssatzung der Stadt Langenfeld Rhld. vom 10.12.1980 eine Erstattung von Abwassergebühren, die auf das im Garten verbrauchte Frischwasser entfallen, ausschließlich über eine separate Uhr zu ermitteln sei:

"Der Nachweis hat durch eine Messeinrichtung zu erfolgen, die der Gebührenpflichtige auf eigene Kosten einzubauen und zu unterhalten hat. Die Messeinrichtung (geeichte Wasseruhr) ist von einem in ein Installateurverzeichnis eines Wasserversorgungs-unternehmens eingetragenes Installationsunternehmen in die Zuleitung zu der Wasserentnahmestelle, die keinen Ablauf zu öffentlichen Abwasseranlage bzw. zur Kläranlage haben darf, zu installieren. Der Wasserzähler muss verplombt sein und alle 6 Jahre geeicht werden."

Diese aus dem Jahr 1980 stammende Satzung sah in ihrer Ursprungsfassung sogar noch vor, dass eine so gemessene Mindestmenge von der Erstattung ausgenommen war. Für gelegentlichen Frischwasserverbauch ist es völlig unwirtschaftlich, diesen Aufwand zu betreiben. Deshalb hatte ich mich von Anfang an auf das Sammeln von Regenwasser konzentriert.

Die Lage im Extremsommer 2018 ist nun aber eine völlig andere.

Anhand meiner monatlichen Aufzeichungen über alle Verbrauchsdaten konnte ich für das Jahr 2018 einen um 26 m³ erhöhten Wasserverbrauch ermitteln. Darauf entfällt eine Abwassergebühr in Höhe von 54,08 €. Meine Datenanalyse ist eindeutig. Gleichwohl beharrt die Stadt darauf, dass eine Erstattung nur auf der Grundlage eines besonderen Zählers möglich sei.

Wenn der Bürgermeister dazu aufgerufen hat, dass die Bürger doch bitte nicht nur an ihre eigenen Gärten, sondern auch an das Straßenbegleitgrün vor ihrer Haustüre denken sollten, so war das für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich hatte den Baum vor unserem Haus von Anfang an mit meinem Regenwasser versorgt, wenn ich den Vorgarten bewässern musste. - Eben auch im Normalsommer eines jeden Jahres!

Die schorffe Ablehnung der Stadt, mir bei diesem einmaligen Ereignis entgegen zu kommen, zeigt, dass ihr der Naturschutz nichts wert ist. Über Jahre habe ich städtisches Grün mit dem von mir gesammelten Regenwassser bewässert. Jetzt habe ich nach vielen Jahren erstmals Frischwasser zur Rettung der Natur in meinem Garten und vor der Tür benötigt. Und da stellt sich die Verwaltung hyperbürokratisch an und betreibt Abzocke. Sie vetraut darauf, dass der Widerspruchsbescheid nicht durch eine Klage angegriffen wird.

In der Tat habe ich keine Lust, mich jetzt auch noch mit dem Verwaltungsgericht herumzuschlagen. Ich habe der Stadt geschrieben:

Sie beweisen mit Ihren Einlassungen, dass Sie zwar Bürokratismus beherrschen, aber vom praktischen Leben keine Ahnung haben. Unabhängig von der Frage, ob ich noch die Zeit finde, eine Klage vor dem VG einzureichen, gebe ich Ihnen schon hiermit kund, dass ich es künftig nicht mehr als meine Bürgerpflicht ansehe, das Straßengrün vor meinem Hause zu wässern. Soll es doch vertrocknen, wenn Sie sich so unfreundlich dem Bürger gegenüber anstellen.

Übrigens; ich bin sicher nicht der einzige Bürger, der ausnahmsweise seinen Garten mit zusätzlichen Frischwassermengen versorgen musste. Jedenfalls kenne ich viele Bürger, die auch keinen Zwischenzähler besitzen und ihren Garten in der Regel ebenfalls mit gesammeltem Regenwasser versorgen. Und da könnte für die Stadt ob Ihrer Sturheit schnell eine Summe mindestens im vier- oder fünf-, wenn nicht gar im sechsstelligen Bereich zusammenkommen. Ist das gerecht?

21.03.2019

Nachtrag vom 16.06.2019:

Wenn es darum geht, den Immobilienhaien Ordnung beizubringen, nimmt es die Stadt nicht so genau mit der eigenen Satzung. Vergleiche hierzu: Stadt missachtet eigene Satzung.

Bei dieser Beliebigkeit, mit der Recht und Ordnung in der Langenfelder Verwaltung umgesetzt werden, ist der Bürger immer der Dumme; das erzeugt einfach nur Wut!


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