Landwirtschaft und Naturschutz

"Bauernregeln" aus dem Umweltministerium

Ich habe mich im Rahmen meiner Anmerkungen schon mehrfach mit den Auswirkungen der Politik auf die Landwirtschaft und auf die Natur beschäftigt. In jüngster Zeit habe ich dazu unter der Überschrift Landwirtschaft im Ballungszentrum einige der Querverweise zusammengetragen und auch zu den Folgen der Intensiv-Landwirtschaft Stellung bezogen. Dabei greife ich aber nicht den Landwirt an, der sich bemüht, im Einklang mit der Natur zu wirtschaften. Es ist die Agrarindustrie, die mit ihrer Massenproduktion auf die Gier der Verbraucher nach billigen Lebensmitteln reagiert und die chemische Keule einsetzt, um betriebswirtschaftlich effektiv zu sein - zum Schaden der Natur.

Ich fand es gut, dass die amtierende Bundesumweltministerin, Frau Dr. Barbara Hendricks, mit launigen Sprüchen auf den Ernst der Lage hinweisen wollte. Diese kamen aber bei den Landwirtschaftsverbänden nicht gut an; die Ministerin hat ihre Verbreitung deshalb gestoppt.

In der März-Ausgabe der Monatszeitschrift GEO habe ich jetzt einen aufschlussreichen Artikel "Tatort Wiese" gelesen. Darin wird eindrucksvoll beschrieben, wie sich infolge des Einsatzes von Pestiziden namens Neonicotinoide in Gärten und Feldern ein Massensterben vollzieht. Vernichtet werden dabei die für unsere Nahrungspflanzen so wichtigen Bestäuber: Bienen, Käfer und Schmetterlinge. Hierzu passt hervorragend "Bauernregel" Nr. 6:

Auch die weiteren Sprüche sind erhellend. Auch wenn das Bundesumwelt-ministerium sie nicht mehr provokant einzusetzen bereit ist, so sind sie doch noch auf seiner Internetseite zu finden, zusammengefasst unter dem Motto

"Gut zur Umwelt - Gesund für alle".

Ich finde das Motto und diese Sprüche hervorragend. Sie sind geeignet, uns allen das naturfeindliche Verhalten, dessen Folgen in nicht allzu weiter Ferne auf uns selbst zurückschlagen werden, auf humorvolle Art und Weise vor Augen zu führen, ehe uns das Lachen wirklich vergehen wird. Kein Kabarettist könnte das besser auf den Punkt bringen.

08.03.2017

PS: Hier finden Sie noch eine Stellungnahme des BUND zum selben Thema.

Nachtrag vom 22.04.2017:
Im neuen GEO-Heft weist die Redaktion darauf hin, dass der Artikel "Tatort Wiese" nunmehr auf einer eigenen Internetseite nachzulesen ist.

24.03.2017 - Süddeutsche Zeitung:
"EU-Kommission will für Bienen schädliche Pflanzenschutzmittel verbieten"

Zitat aus dem Bericht:
"Die Europäische Kommission plant auf Äckern ein Totalverbot von umstrittenen Pflanzenschutzmitteln, die den Bienen schaden. Dabei geht es um die Gruppe der sogenannten Neonicotinoide, die weltweit zu den am meisten eingesetzten Insektiziden gehören."

Da kommt Hoffnung auf!


Hier noch ein Hinweis auf die Aktion
"Glyphosat stoppen",
die ich auch unterzeichnet habe und für die ich hier gerne werbe!


Hinweis auf eine Rundfunkserie:
"Landwirtschaft und ihre Folgen"

Ausstrahlung vom 23. April bis zum 14. Mai 2017 auf WDR5


14.06.2017 - Rheinische Post: "Nitrat - Die Gefahr aus der Gülle"

Zitat aus dem Bericht:

"Würden sich alle Landwirte an die Düngeverordnung halten, wäre Gülle für das Grundwasser kein Problem, ist sich Platen sicher. 'Die Viehhaltung muss sauber sein. Wenn auf meinem Betrieb mehr Gülle anfällt, als ich auf betriebseigenen Flächen ausbringen darf, dann brauche ich eben einen Partner, der mir diese abnimmt. Wenn ich als Betrieb wachsen will, muss ich das beachten', sagt der Landwirt. Sonst zerstören diejenigen, die bewusst ihre Felder überdüngen, seiner Meinung nach nicht nur den Ruf der Landwirte, sondern auch den des natürlichen Düngers Gülle."

In diesem Zitat wird ein eherner Grundsatz auf den Punkt gebracht. Nur ein Betrieb, der Viehwirtschaft und Ackerbau in ein ausgewogenes Verhältnis setzt, ist in der Lage, den natürlichen Kreislauf innerhalb landwirtschaftlicher Produktion voll zu nutzen, ohne der Umwelt zu schaden. Ein Grundsatz, von dem sich die industrielle Fleischproduktion weit entfernt hat. Die Schuld sollte man aber nicht bei den Landwirten suchen. In sich gehen sollten die Verbraucher, die immer mehr Fleisch zu immer niedrigeren Preisen verzehren wollen. Sie müssen endlich für die Folgen ihres Verhaltens mit Preisaufschlägen für die Reinigung des Trinkwassers zur Kasse gebeten werden.

Und wie ich bereits unter der Überschrift Flüchtlingskrise - einmal anders betrachtet geschrieben habe, ist es nicht erforderlich, dass wir mit unserer Überproduktion die landwirtschaftlichen Strukturen Afrikas zerstören!


18.10.2017 - Süddeutsche Zeitung:
"Dramatischer Insektenschwund in Deutschland"

Zitat aus dem Bericht:

"Eine Studie, die holländische, deutsche und britische Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift 'Plos one' veröffentlicht haben, belegt nun erstmals, dass die Wahrnehmung, dass sich etwas verändert hat in der Welt der Insekten, richtig ist: In weiten Teilen Deutschlands hat die Zahl der fliegenden Insekten tatsächlich dramatisch abgenommen. (...) Noch erschreckender wird das Ergebnis der aktuellen Studie, wenn man weiß, dass die Proben, die den drastischen Rückgang belegen, allesamt aus Naturschutzgebieten stammen - aus Regionen also, von denen man annehmen würde, dass die Natur dort zumindest noch halbwegs intakt ist."

Zu den Ursachen wird nicht nur auf die in der Landwirtschaft eingesetzten Düngemittel verwiesen.

"Weniger bekannt ist, dass auch durch Abgase aus Autos und Fabriken Unmengen von Stickstoffverbindungen in die Umwelt gelangen. Gegen diese Substanzen helfen auch keine Naturschutzgebiete, da sie mit Luftströmungen nahezu überallhin gelangen und als saurer Regen in die Böden eindringen."

Wann nimmt die Menschheit endlich wahr, welchen Schaden sie mit ihrem Verhalten der Natur, damit ihrer Lebensgrundlage und letztlich sich selbst zuführt? Nicht nur die Bauernregeln gewinnen an Bedeutung, auch der Abgasskandal muss zusätzlich unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden.


19.10.2017 - Jetzt auch Thema beim BUND:
"Insektenstudie: Alarmsignal – neue Regierung muss handeln"

Auch in den Radionachrichten war gerade zu hören, dass es immer weniger Vögel gebe! Eine Beobachtung, die aufmerksame Gartenbesitzer und Wanderer schon seit längerer Zeit machen konnten. Gut, dass das inzwischen einen höheren Nachrichtenwert bekommt.


Bitte lesen Sie auch über eine Initiative in Langenfeld:
Naturschutz in Langenfeld


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