Das Auto und die Umwelt

Die Rolle der Politik im Abgasskandal

Der Skandal rund um die Abgasmanipulation von Volkswagen hat mich bereits zu folgenden Anmerkungen veranlasst:

Dabei habe ich auch auf frühere Anmerkungen zur Widersprüchlichkeit der Energiepolitik verwiesen. Da will ich mich hier nicht wiederholen.

Eine heute im Radio verfolgte Diskussion mit Zuhörern veranlasst mich aber, hier noch einmal gezielt auf meine Vorstellungen zur Besteuerung des automobilen Umfeldes zu verweisen:

In der eben verfolgten Radiosendung meldete sich ein Hörer zu Wort, der einmal in der Zulieferindustrie tätig gewesen sei. Er legte dar, dass die Aufträge darauf gerichtet gewesen seien, dass die Produkte so hätten konstruiert sein müssen, dass sie die bekannten Testverfahren bestehen. Wie sie sich in der Fahrpraxis verhalten, sei nicht Gegenstand des Auftrags gewesen. Und der Staat habe versäumt, seine Kontrollen so auszuweiten, dass sie die technischen Möglichkeiten erkennen und ihrem Missbrauch entgegentreten können.

Das war starker Tobak!

Das Aufstellen von Regeln, deren Einhaltung nur in komplizierten Tests unter Laborbedingungen, nicht aber im Praxisbetrieb überprüft werden kann, macht somit keinen Sinn.

Es ist also ein eklatanter Fehler der Politik gewesen zu glauben, allein durch gezielte Subventionen die Autoindustrie veranlassen zu können, bessere Autos zu bauen. Die Politik hat die aufgestellten Regeln selbst mit einer Lücke ausgestattet, die dem Betrug die Tür öffnet!

Es gibt nur einen Ausweg aus dem Abgasskandal. Dazu ist eine Rückbesinnung auf unsere Regeln der sozialen Marktwirtschaft erforderlich. Die Mahnungen unseres ehemaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker und aktuell des Bundesumweltamtes weisen diesen Weg.

Erst wenn der Bürger alle Kosten selbst zahlen muss, die für die von ihm in Anspruch genommene Leistung anfallen, hat er die objektive Möglichkeit, im Rahmen seiner Wirtschaftlichkeitsprüfung abzuwägen, welches Fahrzeug seinen Bedürfnissen entspricht und dessen tatsächliche Kosten er bereit ist, in vollem Umfang selbst zu tragen. Und wenn dann im Praxisbetrieb der Spritverbrauch nicht den Werbesprospekten entspricht, wird der Kunde sich wegen der Mehrkosten schon wehren.

05.11.2015

06.11.2015 Rheinische Post: "Bürger leiden unter zu viel Stickoxiden"

Zitat aus diesem Artikel:

"Auch vor dem Hintergrund des VW-Skandals gelten die Dieselfahrzeuge als wesentlicher Grund für die Überschreitungen der Grenzwerte. Das Problem ist das Auseinanderklaffen von strengen Abgasvorschriften auf dem Papier und dem Ausstoß der Fahrzeuge im praktischen Betrieb."

Muss man das noch kommentieren?

12.11.2015 Rheinische Post: "So tricksen Autobauer beim Spritverbrauch"

Gut, dass das endlich einmal klar auf den Tisch kommt!

23.11.2015 DIE WELT: "TÜV erhebt schwere Vorwürfe gegen Bundesregierung"

Dazu fällt mir nur ein Kommentar ein: Regeln gelten wohl nur für wirtschaftlich Schwache; die Großindustrie hat die Politik voll im Griff. Da herrscht blanker Betrug an unseren Lebensgrundlagen betrieben in gemeinschaftlichem Bündnis von Wirtschaft und Politik. Mit Wirtschaftsförderung hat das nichts mehr zu tun.

09.12.2015 Süddeutsche: "Immer mehr dicke Autos sorgen für dicke Luft"

Endlich nimmt die politische Diskussion Fahrt auf!

21.12.2015 Spiegel-online: "Dobrindt will Diesel billig halten"

So kann der Kampf gegen den Klimawandel nie gewonnen werden!

21.12.2015 Rheinische Post: "Teurer Diesel für billige Elektroautos?"

Es liegt auf der Linie des Umweltbundesamtes, die Besteuerung der Dieselautos mit den Benzinern gleich zu stellen; vergleiche Umweltschädliche Subventionen. Aber warum muss die Ministerin das schon wieder in Verbindung bringen mit neuen Subventionen? Es gibt doch nur einen Ausweg aus dem Abgasskandal! Und wenn man die Leserzuschriften auf RP-online liest, verstehen das die Bürger auch durchaus.


Mercedes C-Klasse - nur ein Auto für schönes Wetter?

Unter der Überschrift "Abgasskandal: C-Klasse von Mercedes unter Verdacht" berichtet SPIEGEL-ONLINE über neue Testergebnisse eines niederländischen Überwachungsinstituts. Danach werden bei Außentemperaturen von weniger als 10 Grad "Spitzenwerte von bis zu 2000 Milligramm Stickoxid (NOx/km) pro Kilometer gemessen. Das ist ein bis zu 40-fach höherer Ausstoß als auf dem Prüfstand."

Wenn der Hersteller sich darauf beruft, seine Automatik zur Abschaltung der Abgasreinigung sei zur Schonung des Motors erforderlich und auch zulässig, spricht das von einem Verständnis, bei dem nur noch Profit, nicht aber der Mensch und seine Umwelt das Maß aller Dinge ist. Die in dem Bericht erhobene Forderung nach einem Fahrverbot halte ich unter solchen Umständen ebenfalls für durchaus geboten.

02.02.2016


22.04.2016 - RP: "Deutsche Hersteller rufen 630.000 Autos zurück"

Und die Automanager stopfen sich weiter die Taschen voll! Wo bleibt da eigentlich das Preis-Leistungs-Verhältnis?
Da ist doch der folgende Artikel sehr aufschlussreich:

22.04.2016 - Südddeutsche:
"Welche Folgen der Filz zwischen Politik und Autoindustrie hat"

23.04.2016 - Rheinische Post: "Es stinken nicht nur die Diesel-Fahrzeuge"

Ein hervorragender Kommentar, der voll ins Schwarze trifft!

13.05.2016 - Rheinische Post: "Gabriel wirbt fürs Energiesparen"

Zitat aus dem Bericht: "Energiesparende Heizungsanlagen, Wärmepumpen und anderes fördert der Bund". Alles vielleicht löblich, widerspricht aber der wirtschaftlichen Logik. Besser wäre es, endlich alle Subventionen zu streichen und den Energieverbrauch angemessen zu besteuern. Unter Umweltschädliche Subventionen habe ich auf die Arbeit des Umweltbundesamtes verwiesen. Wann hört die Politik endlich auf ihre sachkundigen Berater und drosselt den Energieverbrauch im ausufernden Straßenverkehr durch Anhebung der Mineralölsteuer?

22.06.2016 - Rheinische Post:
"VW-Chef stellt Zukunft des Dieselmotors in Frage"

22.06.2016 - Rheinische Post:
"Grüne fordern Abschaffung der Diesel-Subventionen"

Endlich setzt sich die Erkenntnis über Umweltschädliche Subventionen durch!


27.08.2016 - Süddeutsche Zeitung:
"Abgas-Affäre: Viele Autokonzerne haben manipuliert, die Politik hat versagt"

Zitat aus dem Bericht: "Pöhler betont in seiner Stellungnahme, spätestens seit 2010 sei durch eine damalige Studie bekannt, dass die Motoren moderner Diesel-Fahrzeuge darauf ausgelegt seien, die Grenzwerte für giftige Stickoxide nur bei den offiziellen Messungen im Labor einzuhalten. ... Pöhler verschont auch seinen Auftraggeber nicht von harscher Kritik. 'Für alle Behörden' sei seit etlichen Jahren 'ersichtlich', dass der tatsächliche Schadstoffausstoß auf der Straße von den offiziellen Werten bei der Zulassung der Fahrzeuge deutlich abweiche. Mit anderen Worten: Der Staat selbst hat hier versagt.' "

Für mich ist die Erkenntnis über das Versagen des Staates kein Wunder. Noch im Herbst vorigen Jahres hat mir ein Bundespolitiker zu der Autoproblematik folgendes geschrieben:

"Natürlich ist es eine Sauerei, was bei VW passiert ist. Ich gehöre auch nicht zu denen, die das Kfz als Statussymbol betrachten. Aber wenn ich von A nach B fahre, will ich dort sicher ankommen und durch einen gewissen Komfort sicherstellen, dass nicht schon das Fahren selbst zum Stress wird. Daher gebe ich dann auch etwas mehr aus und bin gleichzeitig dankbar, dass das Auto jetzt mit gut fünf Liter Diesel fährt und ich dadurch im Vergleich zu früher erhebliches Geld spare. Auf den Wahlkreis bezogen: wenn wir die Kfz-Produktion drosseln, klettert bei mir die Arbeitslosigkeit in den zweistelligen Bereich, da wir über sehr viele Zulieferbetriebe verfügen, die ihrerseits wieder Aufträge im Handwerk generieren."

Ich habe ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass ich mehr Gesamtbetrachtung und mehr Gesamtverantwortung von der Politik erwarte.


12.11.2016 - Rheinische Post: "Mit industriefreundlichem Gruß"

Zitat aus dem Bericht:
(Das Kraftfahrt-Bundesamt) "ist durch und durch der Bettvorleger der Automobilindustrie", sagt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH): "Die 'industriepolitischen Grüße' klingen vielleicht lustig, sind aber alles andere als ironisch gemeint von Herrn Zinke." Das Verhalten des KBA sei seit Jahren bekannt. "Bis heute gilt, dass sich das KBA ausschließlich mit der Auto-Industrie abstimmt. Man spricht dort nicht mal mit dem Umweltministerium oder dem Umweltbundesamt", so Resch.

Da wundert es doch niemanden mehr, dass die Automobilindustrie die Abgaswerte manipulieren konnte! Wer ist eigentlich politisch für diesen Skandal verantwortlich?

Und es ist auch kein Wunder mehr, dass sich das Umweltbundesamt mit seinem Kampf gegen umweltschädliche Subventionen kaum Gehör verschaffen konnte.


18.11.2016 - Rheinische Post:
"Staat verliert durch Abgas-Tricks Milliarden"

Zitat aus dem Bericht:
"Die Abweichungen zwischen dem angegebenen Ausstoß von Kohlendioxid und dem tatsächlichen werden bei den Autoherstellern laut einer Studie immer größer. (...) Die Daten belegen, dass in den vergangenen 15 Jahren nicht nur die Fahrzeuge immer größer wurden - was jeder, der in einem Parkhaus zwischen zwei Geländewagen-ähnlichen SUVs parken will, leidvoll bestätigen kann -, sondern auch die Abweichungen zwischen dem, was Fahrzeuge offiziell aus dem Auspuff blasen, und den tatsächlichen Abgasen. Neun Prozent betrug die Abweichung 2001 von den Herstellerangaben, zuletzt waren es laut ICCT rund 42 Prozent. (...) In der Folge sind die erzielten CO2-Reduktionen seit 2001 in der Realität nur etwa halb so hoch wie anhand der Zertifizierungswerte zu erwarten. (...) Dass die Autofahrer hierzulande so massiv bei den Verbrauchsangaben getäuscht werden, liegt aus Sicht der DUH an einer zu industriefreundlichen Politik. In den USA betrügen die Abweichungen beim CO2 nur drei Prozent im Schnitt. Dies läge auch daran, dass Abweichungen von mehr als vier Prozent hart geahndet würden."

Damit schließt sich dieser Bericht an den vorstehenden an und verdeutlicht immer mehr, dass es eben nicht nur die Industrie war, die die Autofahrer und den Staat betrogen hat. Es waren die Politiker, die die gesetztlichen Regeln so unscharf gefasst haben, dass es der Industrie erleichtert wurde, sie extensiv für ihre Zwecke zu unterlaufen.

Es erscheint mir hier angebracht, noch einmal auf meine Ausführungen Energiewende - einmal anders gedacht vom 02.07.2011 zu verweisen. Schon damals habe ich mich gegen die Verbreitung der SUV's gewandt. Auch deshalb halte ich den in dem Artikel gewählten Vergleich von der Zunahme der Autogröße mit der Zunahme der Differenz zwischen theoretischem und tatsächlichem Abgasausstoß für gelungen.

Auch mein Artikel Die Automobilindustrie - IAA - VW - Ein Rücktritt sei hier erwähnt. Darin habe ich mich über den Umgang der Bundeskanzlerin mit der Automobilindstrie gewundert. Wenige Tage später wurde der Abgasskandal öffentlich!

Und mit der Psychologie des Autofahrers beschäftigt sich heute die FAZ in ihrem Artikel: "Vier Rohre für ein Halleluja".

18.11.2016


08.12.2016 - Tagesschau.de: "EU klagt gegen Deutschland"

Zitat aus dem Bericht:
"Die Brüsseler Behörde wirft (...) der Bundesrepublik (...) vor, Volkswagen nicht für die Manipulation von Schadstoffwerten bei Dieselautos bestraft zu haben, obwohl dies bekannt gewesen sei."

Hoffentlich läuten diese Vorgänge endlich das Ende der Verquickung von Wirtschaft und Politik ein.


06.01.2017 - Tagesschau.de: "Diesel-Pkw belasten Umwelt stärker als Lkw"

Zitat aus dem Bericht:
"Moderne Dieselautos stoßen mehr als doppelt soviel giftige Stickoxide (NOx) aus wie Laster oder Busse. (...) Messe man den Schadstoffausstoß am Spritverbrauch, seien die Autowerte sogar zehnmal so hoch."

Wer im Physik-Unterricht aufgepasst und die Entwicklung von Dieselmotoren beobachtet hat, konnte doch schon lange wissen, dass diese aufwändige Technik nie in einem PKW unterzubringen ist. Sie passt eben nur in Schiffe, Lokomotiven und große LKW.

07.01.2017 - Rheinische Post: "Ministerin will Öko-Tests für Diesel"

Zitat aus dem Bericht:
"Die Studie belegt, wie wichtig es ist, Stickoxid-Emissionen auf der Straße zu messen und nicht im Labor"

Dazu der treffende Kommentar: "Autofahrer werden weiter verschaukelt"


21.01.2017 - Tagesschau.de:
"Dirty Diesel" - eine Präsentation zum VW-Skandal vom NDR

Und von den in dieser Präsentation beschriebenen Machenschaften will Herr Winterkorn nichts von gewusst haben? Entweder er lügt oder er ist ein ahnungsloser Geselle, der seine millionenschwere Vergütung nie wert war!


31.01.2017 - Umweltbundesamt:
"Stickstoffdioxid weiter Schadstoff Nummer 1"

Zitat aus der Pressemitteilung:
"Schließlich geht es darum, die Gesundheit (der) Bürgerinnen und Bürger zu schützen."

Besonders interessant finde ich folgende der Pressemitteilung beigefügte Grafik:

Ohne weiteren Kommentar!


15.02.2017 - Tagesschau.de:
"EU zu Luftverschmutzung - Letzte Warnung für Deutschland"


28.02.2017 - Tagesschau.de:
"EU-Bericht zu VW-Skandal - Versagen auf allen Ebenen"

Zitat aus dem Bericht:
"Eine reine Anklageschrift gegen den VW-Konzern wurde es am Ende nicht. Sondern mehr: Unklare Gesetze, schlechte Abgastests, staatliche Behörden, die wegschauen, eine Kommission, die Hinweisen nicht nachgeht und Autobauer, die die Lücken im System ausnutzen. Die Fehlerkette, die das EU-Parlament offenlegt, ist lang - wobei jede Partei durchaus ihre Schwerpunkte setzt."

Gut, dass es nun diese Klarstellung gibt!

Das Ergebnis entspricht der von mir bereits am Anfang dieser Seite geäußerten Wertung.


17.03.2017 - Süddeutsche Zeitung:
"Der Stoff, der Dieselautos sauberer macht"

Zitat aus dem Bericht:
"Der Tank mit dem Harnstoff ist einfach zu klein dimensioniert. Und das musste eigentlich jedem klar sein, der ein wenig von Chemie und Physik verstand. Auf 100 Liter Diesel müssen etwa fünf Liter Adblue kommen, damit alles sauber wird. Doch dem Kunden wollte man das häufige Nachfüllen nicht zumuten."

Wenn man das so zu lesen bekommt, liegt doch die Frage auf der Hand, warum der Dieselmotor soviel Zuspruch gefunden hat. Es ist aus meiner Sicht ganz offensichtlich, dass die Autoindustrie mit falschen Behauptungen geworben hat; man kann auch sagen, sie hat Politik und Kunden schlicht belogen. Den Kunden kann man keinen Vorwurf machen, es nicht bemerkt zu haben. Aber warum hat die Politik nicht die Einhaltung der Voraussetzungen geprüft, die zur steuerlichen Privilegierung des Dieselmotors geführt haben?


26.04.2017 - Rheinische Post: "Neuer Diesel, alte Probleme"

Schon in der Einleitung bringt es der Bericht auf den Punkt:

"Am Ende geht es bei diesem ganzen Konflikt um die großen politischen Fragen: Ist der Schutz der Industrie wichtiger als der der Umwelt? Sichert man lieber die Arbeitsplätze der Menschen oder ihre Gesundheit? Und für wen macht diese Bundesregierung überhaupt Politik?"

Bereits in meiner Anmerkung vom 27.08.2016 habe ich die Stellungnahme eines Bundespolitikers zitiert, der mir gegenüber in einer Mail jegliche Verantwortung für das Desaster rund um die Abgaswerte von sich weisen wollte, sich aber um die Arbeitsplätze in seinem Wahlkreis Sorgen machte. Das war genau der Konflikt, den jetzt auch die Rheinische Post endlich in den Blick genommen hat.

Und der Konflikt wird innerhalb der Bundesregierung auf die rechte und die linke Schulter verteilt:

"Das Bundesverkehrsministerium will sich offiziell auf Anfrage gar nicht äußern und verweist lediglich auf alte Aussagen. Dabei ist das Haus von Minister Alexander Dobrindt (CSU) eigentlich zuständig für die Zulassung der Fahrzeuge. Das machte auch die SPD-Politikerin Hendricks noch einmal deutlich: 'Ich als Umweltministerin bin zuständig für die saubere Luft.' "

Da hat die rechte Schulter sich allein um die PKW-Maut gekümmert und die linke Schulter ist mit der Last allein gelassen worden.

Großes hat da die GoKo nicht vollbracht!


28.04.2017 - Rheinische Post: "Diesel-Fahrer unter Druck"

Zitat aus dem Bericht:
"Doch an ein Ende des Dieselprivilegs trauen sich Union und SPD nicht heran. 'Eine höhere Besteuerung von Dieselfahrzeugen wird es mit uns nicht geben', sagte CDU-Verkehrspolitiker Steffen Bilger. Stattdessen sollten alternative Antriebe stärker gefördert werden."

Was soll das schon wieder? Die ganze Subventionitis des Dieselmotors hat uns doch in das Desaster geführt. Deshalb trägt auch die Politik für mich noch immer die Hauptschuld an dem Skandal. Weil sie etwas gefördert hat, was nicht funktionieren konnte, hat sie den kriminellen Elementen in der Autobranche erst den Weg geebnet. Den Ausweg habe ich bereits oben beschrieben!

Dass ausgerechnet die CDU sich weigert, liegt ganz auf der Linie eines Mailverkehrs, den ich bereits in meiner Anmerkung vom 27.08.2016 zitiert habe. Und mein Gesprächspartner, ein CDU-BT-Abgeordneter aus dem süddeutschen Raum wehrt sich auf meine neuerliche Anfrage noch immer dagegen, "dass man die Verantwortung für strafbewehrtes Handeln in einem Konzern (Volkswagen) der Politik zuschieben will". Auch die seit geraumer Zeit diskutierte "blaue Plakette" lehnt er ab.

Ich habe ihm entgegengehalten, dass die unverantwortliche Präferenz der Industriegesellschaft die Schöpfung gefährdet und wir uns alle schuldig machen, wenn wir nicht endlich gegensteuern. - Jeder nach seinem Vermögen und in der Verantwortung in der er steht!


02.05.2017 - Süddeutsche Zeitung:
"Der Dieselantrieb ist eine große Lüge"

Zitat aus dem Kommentar:

"Es ist die große Diesel-Lüge: Die Hersteller haben etwas versprochen, im Wissen, dass die Realität anders aussieht. Sie wussten, dass der Auftrag ist, Autos sauberer zu machen, damit die Menschen besser leben können. Prüfstandsgrenzwerteinhaltung hin oder her - das dahinterstehende Ziel muss allen klar gewesen sein. Insofern kann man die Weinerlichkeit, mit der die Manager jetzt auf die ach so neuen Herausforderungen reagieren, ohne weitere Debatte übergehen. Ihre Ingenieure sollen einen Kompromiss ermöglichen, darum geht es. Und die Konzerne müssen relevante Anteile der Kosten dafür übernehmen. Wie auch die Behörden mitzahlen müssen, beziehungsweise der Staat, der zumindest geahnt hat, dass da legal getäuscht und aufgehübscht wurde. Alles andere wäre unsozial."

Ein insgesamt ausgewogener Kommentar, der das gesamte Dilemma aufzeigt.

Nur finde ich es nicht sozial, dass jetzt "der Staat" noch zahlen soll. Da muss man wohl etwas differenzieren. Es war die Politik, die versagt hat mit ihren zu laschen Regeln und Kontrollen. Wenn jetzt "der Staat" einen Teil der Kosten übernehmen soll, ist das unsozial dem Steuer zahlenden Bürger gegenüber. Der Dieselfahrer wird geschont - zusätzlich zu den schon kassierten Subventionen, mit denen er gelockt worden ist. Vergleiche: Umweltschädliche Subventionen.


03.05.2017 - Rheinische Post: "Deutsche verlieren Lust am Diesel"

Zitat aus dem Bericht:

"Diesel-Fahrzeuge stoßen weniger CO2 aus als Benziner, weshalb die deutsche Auto-Industrie in der Vergangenheit sehr stark auf diesen Antrieb gesetzt hatte - und auch noch immer dafür wirbt. Es war ein Trick, um ein hausgemachtes Problem zu lösen: Denn einerseits sollte der CO2-Ausstoß der Fahrzeuge sinken, andererseits produzierten und verkauften die Hersteller immer mehr große Geländewagen (SUVs), deren Umweltbilanz schlechter ausfällt als die eines Kleinwagens, für die Hersteller aber deutlich lukrativer ist. Mit Dieselmotoren ließ sich, so schien es lange Zeit, für die Hersteller beides lösen: Weniger CO2 und mehr Gewinn."

Muss das nochmal kommentiert werden? Bereits ab 2011 habe ich dazu einige Quergedanken zusammengetragen:

Die Probleme sind also lange bekannt. Da mussten erst die Amerikaner kräftig auf die Pauke hauen, damit auch hier über Zusammenhänge nachgedacht wird, die wegen des Vorrangs der Geschäftemacherei unter den Teppich gekehrt worden waren. Ob Automobilindustrie oder CO-Pipeline, die Gewinnchancen der Industrie werden von der Politik immer als wichtiger angesehen, als die Gesundheit der Menschen.


06.05.2017 - Rheinische Post: "Steuergeld für Diesel-Nachrüstung?"

Zitate aus dem Bericht:

"(...) geht es nach den Umwelt-und Verkehrspolitikern im Europa-Parlament, sollen die gesetzlichen Obergrenzen für den Kraftstoffverbrauch von Autos mit Verbrennungsmotoren sogar noch weiter sinken.
(...) Die Automobilindustrie hält es für zu früh, um sich auf eine Diskussion über Grenzwerte einzulassen. Der Branchenverband VDA kommentiert die Debatte so: 'Auch außerhalb der Fahrzeugtechnik gibt es Reduktionspotenziale.' "

Schaffen es Europapolitiker, eine gesamtverantwortliche Denkweise zu befördern? Es wäre schön! Auf die Widersprüchlichkeit der Politik habe ich schon vor Jahren hingewiesen: Energiewende - einmal anders gedacht

Aber schon steht die Lobbyorganisation der Automobilindustrie in den Startlöchern. Sie will nicht auf ihre Gewinne verzichten; Verzicht üben sollen mal wieder die anderen - wer auch immer damit gemeint sein soll!


27.05.2017 - Rheinische Post: "Justiz gegen den Diesel"

Fazit des Kommentars:

"Es geht hier nicht um einen Feldzug gegen eine ganze Branche. Es geht schlicht um das Einhalten von Gesetzen."

M.E. muss aber auch der Politik vorgeworfen werden, Gesetze verabschiedet zu haben, die von vorn herein viel zu sehr von den Interessen der Automobillobby beeinflusst worden waren. Warum werden erst jetzt Praxistests gefordert? - Und das mit höheren Zulässigkeitswerten! Energischer Umweltschutz sieht anders aus. Nochmals mein Hinweis: Energiewende - einmal anders gedacht


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