Klimawandel und Wasserwirtschaft

Ich habe mich bereits umfangreich mit dem Klimawandel beschäftigt. Auch die Folgen von Extremwetterlagen für den Gewässerschutz habe ich thematisiert.

Heute ist in der Rheinischen Post ein Interview mit Umweltministerin Svenja Schulze erschienen mit der Überschrift: "Wir müssen eine Hierarchie für die Nutzung von Wasser festlegen":

"Wir sind es in Deutschland nicht gewohnt, dass Trinkwasser knapp werden kann, obwohl wir uns beim Grundwasser, das für die Wälder und die Landwirtschaft wichtig ist, schon seit Längerem Sorgen machen. Trinkwasser war immer ausreichend verfügbar. Durch die immer länger anhaltenden Trockenperioden als Folge des Klimawandels kommt nun auch die Trinkwasserversorgung unter Druck. Das besorgt mich sehr, schließlich ist das unser wichtigstes Lebensmittel überhaupt."

"Trinkwasser ist zuerst zum Trinken und für den Lebenserhalt da, das ist klar. Ich habe nichts gegen Gartenpools, aber bei Knappheitssituationen wäre das nicht meine Priorität."

Das Interview hat auch schon bundesweites Interesse gefunden; vergl. Tagesschau.de: "Wir brauchen Regeln zur Wassernutzung"

In dem Interview wird viel über den Wasserverbrauch gesprochen. Wer wieviel und wofür verbraucht und ob das alles so notwendig ist.

Ich vermisse da den Aspekt, wie wir mit dem gebrauchten Wasser umgehen. Dem Wasser, das nicht zur Bewässerung der Felder und Gärten genutzt, sondern einfach so nach dem Duschen oder Baden und der Toilettenspülung im Abfluss verschwindet.

Ich habe einmal vor Jahren mit einer Gruppe das für Langenfeld und Monheim zuständige Klärwerk besichtigt. Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie im Verlauf des Klärungsprozesses zunächst der ganz grobe Dreck entfernt, sodann über mehrere Stufen das Wasser so gereinigt wird, dass es an Sauberkeit von Trinkwasser nicht zu unterscheiden ist. Und da stellte sich allen Besuchern die Frage, wo das gereinigte Wasser nun verbleibt.

Die Antwort hatte uns überrascht. Es wird in dicken Rohren dem nahen Rhein zu geführt. Damit erhöht es zwar den Wasserstand des Rheins und kann auch irgendwo weiter nördlich noch als Uferfiltrat gewonnen werden, aber vor Ort ist es erst einmal verloren. Und irgendwann fließt der Rest jedenfalls ins Meer. Ob, wann und wo das Wasser als Regen zurückkommt und den Grundwasser-spiegel wieder auffüllt, ist ungewiss.

Natürlich kenne ich das Problem, dass dieses Abwasser noch immer Medikamentenrückstände und andere chemische Stoffe enthalten kann. Aber trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht lohnenswert wäre, dieses Wasser statt in den Rhein dahin zurückzuleiten, wo es sinnvoll zur Erhöhung des Grundwasserspiegels eingesetzt werden kann. Das dürfte jedenfalls nicht problematischer sein als der Umstand, dass es - zwar vermischt mit den fließenden Wassern des Rheins - frühzeitig als Uferfiltrat wieder dem Trinkwasserhaushalt zugefügt wird.

17.08.2020


Antwort aus dem Umweltministerium

Ich hatte die vorstehenden Gedanken auch der Umweltministerin Svenja Schulze zur Kenntnis gebracht. Darauf habe ich nun folgende Antwort erhalten:

(...) für Ihr Schreiben an Frau Bundesministerin Svenja Schulze danke ich Ihnen. Frau Bundesministerin hat mich zuständigkeitshalber gebeten, Ihnen zu antworten.

In dem von Ihnen angesprochenen Interview hat Frau Schulze betont, wie wichtig für uns Menschen und die Natur ausreichende Wasservorkommen sind und dass es unser oberstes Anliegen sein muss, der Bevölkerung jederzeit ein hygienisch einwandfreies, gesundheitlich unbedenkliches und zum Genuss anregendes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Die Diskussion um den zu beobachtenden Klimawandel, die Dürreschäden in den Wäldern und in der Landwirtschaft zeigen uns eindringlich, dass die natürlichen Wasservorkommen begrenzt sind und eine Übernutzung der Natur verhindert werden muss. Dieser sorgsame Umgang mit den Naturgütern muss sich zwar zuallererst auf die Nutzungsphase beziehen und dazu führen, dass mit diesen Gütern nicht verschwenderisch umgegangen wird. Sie haben aber Recht damit, dass auch die Phase nach der Nutzung betrachtet werden muss. Deshalb beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Problemen der Abfallvermeidung, des Abfallrecyclings und natürlich auch der Abfallbeseitigung z.B. durch Verbrennung der Deponierung.

Dieser Gedanke gilt natürlich auch im Hinblick auf die Verwendung von Wasser. Die heutigen Kläranlagen haben in der Tat einen hohen Reinigungsstandard erreicht und können insbesondere organische Stoffe, Nährstoffe und Schadstoffe wie z.B. Schwermetalle gut aus dem Abwasser entfernen. Das so gereinigte Abwasser sieht zwar relativ klar aus, aus trinkwasserhygienischer Sicht ist gut gereinigtes Abwasser jedoch keine unbedenkliche Quelle für das Trinkwasser. Den seuchenhygienischen Zusammenhang zwischen der Abwasserentsorgung und sog. wasserbürtigen Krankheiten ist seit mindestens hundert Jahren bekannt und wird auch von heutigen Wissenschaftlern hoch gehalten. Kläranlagen sind nicht primär dazu ausgerüstet, Krankheitskeime, wie Bakterien und Viren zu entfernen, so dass zur Vermeidung möglicher Gesundheitsgefahren ein direkter Kontakt zwischen Abwasser, auch nach guter Reinigung, und Trinkwasser zu vermeiden ist. Eine Versickerung von solchem Abwasser ist deshalb in der Nähe der Wasserwerksbrunnen in der Regel verboten.

Bei anderen Nutzungen, oder unter anderen klimatischen Verhältnissen kann es aber angemessen sein, das gut gereinigte Abwasser nicht in ein Gewässer abzuleiten, sondern einer Nutzung zuzuführen, bei der die hohe Qualität, die wir an das Trinkwasser stellen, nicht gewährleistet sein muss.

Die Diskussion um die Corona-Viren zeigt uns ja, dass wir alles tun sollten, um eine Verbreitung von Krankheitskeimen oder Viren zu verhindern.

[ Hervorhebungen in der Antwort von mir. ]

Ich habe zurückgefragt, ob es schon Modelle und Untersuchungen gibt, wie man gereinigtes Abwasser wieder den ausgetrockneten Böden zur Verfügung stellen kann.

01.09.2020


Wasserwirtschaft als Kreislaufwirtschaft

Inzwischen habe ich vom Bundesumweltministerium den Hinweis auf die "Verordnung 2020/741 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 2020 über Mindestanforderungen an die Wasserwiederverwendung" erhalten.

Danach sind in der Tat Regelungen vorgesehen, gereinigtes Abwasser einer Wiederverwendung zuzuführen, um der Wasserknappheit zu begegnen. Ein interessanter Aspekt findet sich noch in Nr. 11 der einleitenden Begründung zur Verordnung:

"Die Wiederverwendung von Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung kann auch zur Förderung der Kreislauf­wirtschaft beitragen, indem Nährstoffe aus dem aufbereiteten Wasser rückgewonnen und durch Verfahren der düngenden Bewässerung auf die Kulturen aufgebracht werden. Somit könnte die Wasserwiederverwendung eventuell den Bedarf an zusätzlich aufgebrachtem Mineraldünger verringern."

In seiner Mail erläutert der zuständige Referatsleiter aber auch noch einige Umsetzungsschwierigkeiten:

"[ Die Verordnung ] gilt ab dem 26.6.2023 in den Mitgliedstaaten unmittelbar. Die Verordnung legt Mindestanforderungen an die Wasserqualität des wiederaufbereiteten Wassers und die Überwachung fest und enthält Bestimmungen hinsichtlich des Risikomanagements. Allerdings ist die Verordnung nur für die landwirtschaftliche Bewässerung anwendbar. Das Bundesumweltministerium, welches für die genannte Verordnung federführend ist, hat festgestellt, dass die Verordnung zwar unmittelbar gilt, aber für Deutschland noch einige Fragen geklärt werden müssen. Die Verordnung legt zwar Mindestanforderungen fest, eröffnet den Mitgliedstaaten an einigen Stellen jedoch auch Spielräume für nationale Anforderungen. Insofern sind für Deutschland noch eine Reihe von Fragen zwischen Bund und Ländern zu klären, wie diese Spielräume in Deutschland best-möglich genutzt werden können."

Damit ist vielleicht zu erklären, dass weder die Umweltministerin in Ihrem oben zitierten Interview noch die Antwort des Umweltministeriums auf meine Fragen nicht bzw. so zurückhaltend auf den Wasserkreislauf als Element der Bewirtschaftung eingegangen sind, obwohl die Verordnung zu dem Zeitpunkt bereits vorlag. Angesichts der Klimaentwicklung sollte aber an der Umsetzung zügig gearbeitet werden.

18.03.2021


Neue Warnungen vor Wasserknappheit

Unter der Überschrift "Wasser-Engpässe drohen" berichtet die Rheinische Post in ihrer Printausgabe:

"Die Erderwärmung schreitet voran. Ausgetrocknete Böden und sinkende Grundwasserspiegel sind nur zwei von vielen Folgen dieser Krise, die sich längst auch in Deutschland bemerkbar macht."

Deshalb erinnere ich an meine vorstehenden Vorschläge, endlich auch die Wiederverwendung von Abwasser voran zu bringen.

22.04.2022

Übrigens, wie sich die Bauwut auf unsere Wasserwirtschaft auswirkt, kann man hervorragend beobachten an diesem lokalen Ereignis:
Negative Folgen der Bebauung "Locher Wiesen" jetzt gutachtlich belegt


Trockensommer 2022

Jetzt mehren sich die Berichte über die Trockenheit und ihre Folgen:

Bereits anfangs dieser Seite habe ich mich mit der Wiederverwendung von Abwasser beschäftigt und dazu Informationen vom Bundesumweltministerium erhalten. Angesichts der sich mehrenden Waldbrände und dem Trockenfallen von Flüssen muss die Idee der Wiederverwendung von Abwasser beschleunigt entwickelt werden.

Auch wenn es teuer wird, so sollte man doch überlegen, das gereinigte Abwasser über ein Verbundsystem zurück zu pumpen in die bewaldeten Landesteile und so großflächig die Wälder beregnen, um dort die notwendige Bodenfeuchte wieder herzustellen und den Grundwasserfluss zu kräftigen. Eine Kollision mit dem gebotenen Trinkwasserschutz sehe ich nicht, jedenfalls dann nicht, wenn überschüssiges Wasser nicht auf kurzem Weg in eine Trinkwasser-talsperre oder in Trinkwasserbrunnen gelangen kann.

Und was verschlägt es, wenn in ein solches Verbundsystem Zwischenspeicher installiert werden, aus denen Wasser zur Verbesserung des örtlichen Grund-wasserspiegels entnommen werden kann. Wichtig ist allein, dass Wasser wieder großflächig dem Boden zugeführt wird. Die Hoffnung, dass Abwasser rechtzeitig als Regen dorthin zurück kommt, wo es anfangs als Brauchwasser aufbereitet worden ist, ist angesichts der jüngsten Erfahrungen mit dem Klimawandel äußerst zweifelhaft.

So gravierend, wie der Mensch in die Naturkreisläufe eingegriffen hat, muss er nun auch ernsthaft überlegen, wie er mit einem künstlichen Kreislauf Ersatz schaffen kann.


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