Die deutsche Automobilindustrie

Bundeskanzlerin auf der IAA

Jetzt findet man in allen Medien Berichte über die Internationale Automobilausstellung. Unsere Bundeskanzlerin hat es sich nicht nehmen lassen, diese Messe der tollen Autos zu eröffnen. Sie zeigt dabei großes Verständnis für die technischen Neuerungen. Unter der Überschrift "Angela Merkels selbstparkende Autos" berichtet DER TAGESSPIEGEL darüber, was sie über die Geschlechter spezifischen Unterschiede beim Parken denkt.

Interessanter als diese nette Randnotiz finde ich aber, dass sie auch gelernt haben soll, was die Abkürzung "SUV" bedeutet. Nur frage ich, ob sie auch die sich dahinter versteckende Energieverschwendung verstanden hat. Auf meine Anmerkung vom 02.07.2011 sei hier noch einmal hingewiesen.

Es wäre ein Zeichen ehrlichen Umgangs mit der Energiewende gewesen, wenn die Bundeskanzlerin den Mut gehabt hätte, ein deutliches Wort zu dieser Verschwendung öffentlich auszusprechen. Aber so entwickelt sie sich - wie ihr Vorgänger - zur Autokanzlerin und liefert wieder einen Baustein für den sich verfestigenden Eindruck, dass die Energieeinsparung nur gut ist, wenn die Wirtschaft damit ein Geschäft auf Kosten der Bürger machen kann. Aber der Wirtschaft selbst Grenzen aufzuzeigen, um Energieverschwendung aus Gründen des Genusses zu begrenzen, traut sie sich offensichtlich nicht.

Schade um die verpasste Gelegenheit!

18.09.2015

Abgasmanipulation bei VW

In allen Medien wird jetzt über die "Schummel-Sofware" von VW berichtet. Stellvertretend die Rheinische Post:
"Abgas-Skandal setzt Winterkorn unter Druck"

Die Diskussion um die Manipulation trifft allerdings nicht den Kern.

Wenn die Politik wirklich Mut hätte, der Energieverschwendung als Ursache für unsere Klimakatastrophe entgegen zu treten, würde sie die Übermotorisierung verbieten. Was bringt es der Umwelt, wenn immer effektivere Motoren entwickelt, die Autos aber immer üppiger ausgestattet werden. Und dann nehmen diese "Hausfrauenpanzer" = SUV auch noch soviel Parkplatz in Anspruch, dass die alten Normen für die Kennzeichnung von Stellplätzen in Parkhäusern überholt sind.

Aber kein Politiker gebietet Einhalt. Der Bürger wird aufgerufen, sein Haus in Styropor zu verpacken, um Energie zu sparen. Längst wissen wir, dass da nur Geschäftemacher Vorteile draus ziehen (siehe Anmerkung vom 30.03.2013). Und so ist es auch mit der Autoindustrie. Da werden Vorgaben gemacht und da die nicht in Einklang zu bringen sind mit den Wünschen der Kunden, wird eben geschummelt.

Echtes Sparen muss sich gegen die Industrie richten, damit die Verschwender verschwinden. Ich habe irgendwo die Formel gelesen, dass ein VW-Käfer in seiner Grundausstattung aber versehen mit einem Motor heutiger Effizienz längst die Wünsche nach einem Ein-Liter-Auto erfüllen würde.

Wie auf dieser Seite mehrfach betont, ist Querdenken gefordert. Und die Manager, die die Betrügerei zu verantworten haben, sollten gehen und auf Erstattung ihrer Vergütungen verklagt werden. Sie haben die nicht verdient!

22.09.2015

PS: Auch das noch: "Die Bundesregierung kannte die Betrüger-Technik"

Bitte lesen Sie auch unter:
Was sind Manager wirklich wert?


Rücktritt eines Ahnungslosen

RP-online vom 23.09.2015 um 17:03 Uhr:
"VW-Chef Martin Winterkorn tritt zurück"

Er sei "bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren."

Wofür ist dieser Ahnungslose eigentlich bezahlt worden?

Bezieht sich sein Entsetzen über das Geschehen der letzten Tage darauf, dass die Betrügereien aufgeflogen sind? Hatte er gehofft, damit nicht aufzufallen? Spruchweisheit unserer Altvorderen: Es wird nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!

Herr Winterkorn ist das Geld nicht wert gewesen, das ihm über Jahre in die Taschen gestopft worden ist. Seine "Erfolge" beruhen nach den neuen Erkenntnissen offensichtlich auf Betrug. Wann schreitet der Staatsanwalt ein?

23.09.2015


Der Abgasbetrug und seine Konsequenzen

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in einem umfassenden Rückblick "Schon lange unter Verdacht" über die Methoden der Autoindustrie und den Schutz, der ihr seitens der Politik zuteil geworden ist. Mit der politischen Dimension beschäftigt sich auch die Rheinische Post: "Volkswagen braucht eine neue Kultur".

So umfassend betrachtet, ist es richtig, die Abgasmanipulation als handfesten Betrug zu bezeichnen.

Aber wie muss eine über den Tag hinaus reichende langfristige Änderung aussehen?

Ich habe mich schon seit Jahren mit der Frage beschäftigt, ob die Entwicklung der Benzinpreise angemessen ist. Über ihre steuerliche Belastung wird die für die automobile Gesellschaft notwendige Infrastruktur finanziert. Hier muss angesetzt werden, denn diese Finanzierung reicht nicht mehr, um die maroden Brücken und Straßen zu sanieren.

Wir brauchen eine die Nutzung der Infrastruktur spiegelnde Belastung des Fahrzeugparks. Nur das kann dazu führen, dass sich Verbraucher mehr Gedanken darüber machen, ob der Einsatz des Autos für den kurzen Weg sinnvoll ist. Anders gesagt: Das Fahren mit dem Auto ist viel zu billig, um sinnvoll damit umzugehen.

Es nutzt aber nichts, eine PKW-Maut einzuführen, denn sie spiegelt eben nicht die wahre Nutzung der Straßen. Hilfe kommt nur durch eine Streichung sämtlicher Subventionen. Der aktuell aufgedeckte Betrug beweist doch eindringlich, dass die steuerliche Begünstigung der Dieseltechnik durch nichts gerechtfertigt ist.

Allerdings vernimmt man jetzt auch schon Stimmen, man könne die Automobilindustrie nicht zu hart anfassen, weil dann Arbeitsplätze gefährdet seien. Ich halte das für ein Totschlagargument. Bei einer geordneten Entwicklung von Ideen und ihrer Umsetzung werden immer neue Arbeitsplätze geschaffen und alte Arbeitsplätze fallen weg. Das ist nun mal die Folge technischen Fortschritts. Und das hat in vielen Bereichen auch hervorragend funktioniert.

Weg brechende Arbeitsplätze werden dann zum Problem, wenn eine Großindustrie nicht rechtzeitig auf die Veränderung des technischen Fortschritts und die daraus resultierenden Änderungen des Marktes reagiert.

Es ist nicht Aufgabe der Politik, immer wieder durch Subventionen in das Marktgeschehen einzugreifen. Die Politik kann Regeln aufstellen, wie stark unsere Umwelt belastet werden darf und diese Regeln verschärfen, wenn es Möglichkeiten gibt, bessere Grenzwerte einzuhalten. Sie darf aber nicht durch Subventionen in die Kosten-Nutzen-Rechnung eingreifen. Wenn sie eingreifen will, muss sie unsinnigen Verbrauch von Ressourcen belasten.

Auf den aktuellen Streit um die Abgasmanipulation bezogen meine ich, dass die Belastung des Verkehrs bedingten Kraftstoffverbrauchs kräftig erhöht werden sollte, um endlich die marode Verkehrsinfrastruktur sanieren zu können. Dann liegt es am Kunden, sparsame Autos zu fordern, um so seine persönliche Belastung in den Griff zu bekommen. Und wenn der Kraftstoffverbrauch zurück geht, mindert das den Schadstoffausstoß automatisch - ganz real!

Jetzt gefunden ein Papier des Umweltbundesamtes vom Oktober 2014: "Umweltschädlicher Subventionen in Deutschland"
Darin wird vorgerechnet, dass die Steuer auf Diesel nicht geringer, sondern höher sein müsse als auf Benzin! Vgl. Nr. 2.2.1 auf Seiten 36/37.
- Eingefügt am 01.10.2015 -
Am 04.10.2015 fortgeführt unter Umweltschädliche Subventionen!

Ich vertraue auf die Mächte eines freien Marktes. Die Politiker sollten sich darauf besinnen, dass dieser nach den Regeln unseres Grundgesetzes sozial ausgerichtet ist. An der Einhaltung dieser Regeln muss gearbeitet werden. Dazu gehört jetzt auch, dass Herr Winterkorn als Chef des VW-Konzerns für das von ihm zu verantwortende Desaster zur Kasse gebeten wird. Schließlich sind ihm ja auch für die Erfolge der Vergangenheit exorbitante Vergütungen gewährt worden. Jeder kleine Arbeitnehmer wird für sein Fehlverhalten in Haftung genommen. Wo bleibt die Haftung der Manager?

24.09.2015

Langsam kämpft man sich durch die Folgen

Zwei Artikel der Rheinischen Post in der Wochenendausgabe machen die Spannweite des Skandals deutlich:
"Anwälte raten zu Klagen wegen VW"
"Streit um Abfindung für Martin Winterkorn"

Einerseits geht es um die betrogenen Kunden. Man hat ihnen vorgegaukelt, ein leistungsfähiges, sauberes und deshalb steuerlich gefördertes Auto erworben zu haben. Und was haben sie bekommen? Ein Fahrzeug, das auf dem Prüfstand zwar sauber ist, in der Realität des Straßenverkehrs dieses Versprechen aber nicht einhalten kann. Im Handelsrecht nennt man das einen Mangel; strafrechtlich ist das in meinen Augen aber eindeutig Betrug.

Andererseits geht es um die Frage, wer für derartige Betrügereien die Verantwortung zu übernehmen hat.

Ich habe bereits vorstehend Position bezogen zur Verantwortung von Managern. Wenn jetzt von einigen Leuten aus dem Aufsichtsrat zu hören ist, Herr Winterkorn habe seine Verdienste um VW und von dem Abgasskandal nichts gewusst, passt da etwas nicht zusammen. Entweder hat er vergangene Erfolge des Unternehmens bewirkt, weil er seine Mitarbeiter motivieren konnte, seine Ideen in die Tat umzusetzen, dann hatte er einen Anspruch auf die Vergütung. Oder das Team war ein Selbstläufer und hat die Erfolge selbständig ohne den Einfluss von Herrn Winterkorn erreicht, dann war seine Vergütung raus geschmissenes Geld.

Wenn er aber der Spiritus Rector des Unternehmens war, dann trägt er auch die Verantwortung für den Skandal. Dabei ist es völlig egal, ob er die Manipulationen selbst angeregt, billigend in Kauf genommen oder aus Gründen nachlässiger Aufsicht nicht gekannt hat.

Statt ihm noch eine Abfindung zu zahlen, muss ernsthaft über seine persönliche Pflicht zur Wiedergutmachung des Schadens gesprochen werden.

27.09.2015

Verantwortung der Zentrale

Unter der Überschrift "Das Problem in Wolfsburg heißt 'German Größenwahn'" liefert DIE WELT einen Beleg für die Verantwortung der Konzernführung unter dem Chef Winterkorn:

"Das zentrale Volkswagen-Problem hat ausgerechnet einmal ein Peugeot-Chef treffend beschrieben, der sich lange in China der Rivalen aus Wolfsburg erwehren musste. "Volkswagen wird straff von oben geführt. Es gibt keine Diskussionskultur, keine Suche nach Konsens. Es gibt Anweisungen. Das ist selbst den Chinesen zu viel", erzählt er. Und die Anordnungen kommen aus Wolfsburg – für so ziemlich jede Kleinigkeit. Für praktisch alle Einheiten weltweit."

Damit dürfte doch klar sein, dass Herr Winterkorn für das Abgasdesaster in Haftung zu nehmen ist, statt die ins Gespräch gebrachte Abfindung zu erhalten!

28.09.2015

Endlich - Spiegel-online berichtet:

"VW-Affäre: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Winterkorn".

28.09.2015

Die vorstehende Meldung vom 28.09.2015 scheint überholt zu sein; DIE SÜDDEUTSCHE berichtet jetzt: "Foul an Winterkorn".

Auf der anderen Seite liest und hört man in diesen Tagen immer wieder Berichte, wonach der Druck "von oben" immens gewesen sein soll, um VW zum größten Automobilunternehmen der Welt zu machen. Dass das dazu führen kann oder muss, sich mit Manipulationen den notwendigen Vorsprung zu verschaffen, ist logisch. Ob und für wen das auch eine strafrechtliche Relevanz beinhaltet, bedarf einer anderen Prüfung. Da fallen leider die moralischen Vorstellungen der Normalbürger und die Strafvorschriften auseinander.

An einer gerechten Beurteilung der Managerverantwortung muss noch kräftig gearbeitet werden! Eine interessante Diskussion dazu habe ich hier gefunden: manager magazin vom 15.06.2010: "Immer in der Verantwortung".

30.09.2015


Ehrliche Schelte aus der Politik

Jetzt hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu dem Skandal geäußert: Immer wollten alle "die Größten" sein. Die "Gier nach Ruhm, nach Anerkennung" habe die Katastrophe provoziert.

So berichtet die Rheinischen Post in folgendem Artikel:
"VW-Skandal trifft auch Kommunen".

Eines weiteren Kommentars bedarf es nicht.

01.10.2015


Bitte lesen Sie weiter unter:
Das Auto und die Umwelt


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