Soziale Marktwirtschaft - Wert der Arbeit

Bereits aus Anlass der Finanz- und Bankenkrise und der anhaltenden Diskussion um Mindestlöhne habe ich eine Frage öffentlich gemacht, die einst einmal ein Kollege stellte:

"Wer leistet eigentlich mehr für das Wohl der Menschheit: Der Professor, der sich mit der Anatomie der Ameisenbeine beschäftigt, oder der Müllwerker, der den Dreck forträumt, damit keine Epidemie ausbricht?"

Das war eine kluge Frage, die betroffen machen sollte.

Heute besteht Anlass genug, diese Frage zu wiederholen; dabei sollten aber Bänker und Manager der Altenpflegerin gegenüber gestellt werden.

Nachtrag vom 21.01.2017:
Kolumne von Rainer Maria Kardinal Woelki in der Rheinischen Post:
"Pflegekräfte erweisen dem Leben Respekt"
Zitat: "Ohne Pflegende wird unsere alternde Gesellschaft nicht bestehen, werden betagte Mitmenschen und werden wir selbst nicht in Würde leben können."

Seit einigen Tagen geistern Berichte durch die Medien, dass ein Bänker 80 Millionen Euro Boni erhalten hat. Stellvertretend dazu ein Bericht der Zeitung "Die Welt"! Ich frage mich: Was hat die Verantwortlichen seiner Zeit geritten, solche Möglichkeiten zu schaffen?

Die Diskussion setzt sich glücklicherweise fort. Die FAZ berichtet unter dem Titel "Managervergütung - Das heikle Gehalt" darüber, wie das Thema nunmehr nicht nur in Deutschland angekommen ist. Und in der grundständig demokratischen Schweiz wird sogar vom Volk über die Managergehälter abgestimmt. Siehe "Millionendämmerung".

Es besteht Hoffnung. Jetzt hat sich die Europäische Union darauf verständigt, die Boni der Bänker zu begrenzen. Das wurde Zeit, aber schon melden sich auch Kritiker zu Wort, die meinen die Boni-Grenze sei ein Sündenfall.

Der Erfolg der westlichen Industriestaaten geht zurück auf die freie Marktwirtschaft. Erst in der Konkurrenz der Ideen und des Wirtschaftens entfaltet sich der Mensch mit all seinen Fähigkeiten. Schon in der Bibel ist zu lesen, dass man seine Talente einsetzen muss, sie nicht ängstlich vergraben soll. Das bedeutet aber nicht, dass man seinen Mitbürger "über den Tisch ziehen" darf. Alles Wirtschaften muss auf Interessenausgleich gerichtet sein. Jedem Teilnehmer muss aus dem Geschäft der Vorteil erwachsen, den er sich davon verspricht. Nur so ist eine ehrliche Kosten-Nutzen-Abwägung möglich.

Bereits meinem Artikel zur Finanz- und Bankenkrise hatte ich den Leitsatz vorangestellt:

Geld hat keinen eigenen Wert;
Geld ist nur eine Verrechnungseinheit für Leistung.

War es aber wirklich eine Leistung, dem Kunden, der eine angemessene Rendite für seine Altersrücklage sucht, undurchsichtige "Wertpapiere" zum Kauf anzuraten, deren komplizierter Herkunftsweg selbst dem Bankberater nicht verständlich war, ihm aber eine satte Provision in Aussicht stellte und inzwischen als Schrott abgeschrieben werden musste?

Ein ehrbarer Kaufmann hatte immer auch das Wohl seines Kunden im Blick, der nur dann wieder Geschäfte mit ihm macht, wenn er nicht betrogen wird. Was sich aber als Ursache der Finanz- und Bankenkrise herausgestellt hat, war blanke Gier, die geschichtlich nur mit dem Raubrittertum verglichen werden kann.

Aber auch die hereingefallenen Bankkunden müssen sich fragen lassen, ob auch sie nicht einer Gier nach zu hoher Rendite erlegen waren. Dabei sollte man doch aus dem Märchen Rumpelstilzchen wissen, dass man aus Stroh keine Goldfäden spinnen kann.

Es ist dringend an der Zeit, dass sich die zivilisierte Welt wieder auf die Werte des menschlichen Zusammenlebens besinnt und aus kreativem Gestaltungswillen echte Leistung erwachsen lässt. Hohe Erträge aus Finanzinvestitionen sind nur gerechtfertigt, wenn auch das Verlustrisiko allein von denen getragen wird, die die Verantwortung für das Konstrukt haben und den Ertrag einstreichen wollen.

Ich habe nichts gegen die Auslobung von Boni-Zahlungen. Ergänzend zu einer Begrenzung sollte das Gegenstück der Belohnung aber auch selbstverständlich sein: Die Kürzung des Gehaltes bei zu verantwortenden Verlusten.

Und wer erwartet, dass sein erfolgreicher Arbeitsplatz im Falle einer Krise vom Staat gerettet werden muss, der sollte auch bereit sein, sein Spitzeneinkommen auch einer Spitzensteuer zu unterwerfen. (vergl. hierzu auch Steuertarif)

Und wie erbärmlich gibt sich da die Diskussion um einen menschenwürdigen Mindestlohn?! Aus dem Bericht "Bundesrat beschließt Vorstoß für Mindestlohn" ist zu erkennen, dass das Thema wohl wieder auf die lange Bank geschoben wird.

Langenfeld, den 1. März 2013

Zur Diskussion um einen Mindestlohn siehe auch Bericht der FAZ vom 02.03.2013 "Raubbau an der Tarifautonomie ". M.E. muss sich die Politik entscheiden: Entweder Eingriff in die Tarifautonomie oder Ablösung der bisherigen Transferleistungen durch ein Bürgergeld, das demjenigen, der arbeitet, mehr Einkommen zubilligt, als demjenigen, der nicht arbeitet. Diese Entscheidung wird immer dringender.


Volksabstimmung in der Schweiz

Die FAZ berichtet über das Ergebnis:
"Die Schweizer legen den Managern enge Zügel an"

Der Aufschrei der Wirtschaftsfunktionäre ist zu verstehen; jetzt gehen ihre Pfründe der Selbstbedienung den Bach hinunter. Aber den Schweizern ist zu danken, den Mut zu einer Reform zu haben, die die westliche Wirtschaftordnung wieder auf gesunde Füße stellen kann.

Es muss nicht alles 100%-ig übernommen werden, aber diese grundständig demokratische Entscheidung zeigt, was der gesunde Menschenverstand von den Auswüchsen einer Kaste hält, die jeglichen Bezug zum Wert ihrer eigenen Leistung verloren hat. Schließlich ist jeder Manager darauf angewiesen, dass seine Ideen auch von Mitarbeitern umgesetzt werden. Und die Höhe eines Gehaltes spricht noch längst nicht dafür, dass der Geldempfänger selbst gute Arbeit leistet.

Auch wenn nachher in den Aktionärsversammlungen Mehrheiten aus der "Finanzindustrie" noch immer die Höhe der Vergütungen bestimmen werden und sich Kleinaktionäre werden kaum dagegen durchsetzen können, so ist mit dieser Initiative jedenfalls für Transparenz gesorgt und die setzt auch die Mehrheitsentscheider unter öffentlichen Begründungszwang. Damit ist sichergestellt, dass das Thema nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden kann.

Langenfeld, den 3. März 2013

Über erste Reaktionen aus der deutschen Politik berichtet "Die Welt": "Deutsche Politiker wollen Boni-Abzocke stoppen".

Die FAZ berichtet, dass zwar "Kein Gesetz zu Managergehältern vor der Wahl" verabschiedet werden soll; gleichwohl ist das Thema jetzt sogar in Europa angekommen. Immerhin wolle die "EU-Kommission (...) bis Jahresende einen Vorschlag machen, damit Aktionäre die Vergütung von Topmanagern besser kontrollieren können."

In einem weiteren Artikel fordert die FAZ: "Manager, haftet mit eurem Geld! " In dem Artikel wird die Frage nach der leistungsgerechten Entlohnung in ähnlicher Weise gestellt, wie ich dies in meinen Anmerkungen gemacht habe. Wer nicht bereit ist, für sein Handeln mit vollem Risiko einzutreten, hat keinen Anspruch auf ein überzogenes Gehalt. Jeder kleine Arbeitnehmer trägt ein höheres Risiko als die jetzt in die Kritik geratenen Manager. Ich freue mich, dass sich diese Diskussion endlich verfestigt und so die Chance einer grundlegenden Änderung besteht.

In der Schweiz setzt sich die Diskussion fort: "Schweizer zanken über revolutionäres Lohnmodell" berichtet "Die Welt". Danach sollen "Schweizer Top-Manager (...) künftig höchstens zwölf Mal so viel verdienen wie die untersten Firmenangestellten." Auch wenn mir diese Formel zu weit geht, so bin ich doch dafür, der Gier Grenzen zu setzen - und sei es durch eine höhere Besteuerung der Spitzengehälter.


Übrigens; wie ich mir eine gerechtere Verteilung des
wirtschaftlichen Erfolgs vorstellen kann, finden Sie unter
Unternehmensbesteuerung und Wertschöpfungsabgabe


VW-Chefs verdienen 170-mal mehr als Durchschnittsarbeiter

Unter diesem Titel berichtet die Rheinische Post über eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Ich will das hier nicht noch einmal kommentieren. In vielen Anmerkungen habe ich ja bereits deutlich gemacht, dass Spitzeneinkommen nur vertretbar sind, wenn damit ein Verlustrisiko verbunden ist. So betrachtet sind die Spitzenvergütungen von Spitzenmanagern durch nichts gerechtfertigt.

05.11.2013


Kirchen kritisieren Kapitalismus

In einer gut ausformulierten Analyse "Die neue Kapitalismuskritik der Kirchen" berichtet die Rheinische Post über die "Christliche Soziallehre als Mittelweg zwischen Profitmaximierung und Sozialismus".

Es war höchste Zeit, dass eine renommierte Zeitung in Erinnerung ruft, was Vertreter der christlichen Kirchen zu den Abläufen in der Wirtschaft geurteilt haben. So hatten sich die Vertreter der katholischen Soziallehre immer wieder dafür eingesetzt, dass die Wirtschaft kein Selbstzweck ist, sondern dem Menschen zu dienen hat.

Das "dem Menschen dienen" ist in der heutigen Zeit völlig in den Hintergrund getreten. Selbst die CDU rennt inzwischen hinter kapitalistischer Selbstüberschätzung her, aus Sorge, Investoren könnten ihr Geld aus Deutschland abziehen und woanders investieren. Bloß keine Belastung der Industrie durch die Energiewende! Alles soll der Bürger bezahlen! Aber wo soll der das Geld hernehmen bei Minimallöhnen für die Generation Praktika?

Gut, dass die Soziallehre der Kirchen heute doch noch ein Sprachrohr findet.

12.02.2014


Neue Diskussion um die Höhe der Managervergütung

Unter der Überschrift "Die Milliarden-Verdiener" berichtet die FAZ über neue Auswüchse.

Der Bericht bedarf keiner ergänzenden Kommentierung. Lesen Sie bitte, was ich bereits am Anfang dieser Seite geschrieben habe!

08.05.2014


Neue ökonomische Nachdenklichkeit

Über eine neue ökonomische Nachdenklichkeit berichtet die Süddeutsche Zeitung. Danach hinterfragt der Ökonom Tomas Sedlacek den Sinn und Zweck von Wachstum und warnt vor einer drohenden Depression. Seine Gedanken mag man mögen oder nicht. Wenn aber in der Diskussion zu dem Artikel das grenzenlose Wachstum der Wirtschaft mit dem die Gesundheit gefährdenden Krebs verglichen wird, ist wirklich Nachdenklichkeit über die These angebracht.

Mir jedenfalls gefällt der Denkansatz. Schließlich habe ich bereits in meinen Anmerkungen zur Finanz- und Bankenkrise darauf hingewiesen, dass Geld keinen Wert an sich darstellt.

20.06.2014


Einkommensverteilung

Angeregt durch einen Bericht der Rheinischen Post (nur Printausgabe) habe ich mich mit der Studie der OECD über die Einkommensungleichheit beschäftigt. Danach verdienten "mit durchschnittlich 57.300 Euro (...) die obersten zehn Prozent der deutschen Einkommensbezieher im Jahr 2008 etwa achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent (7.400 Euro). In den 90ern lag das Verhältnis noch bei 6 zu 1, der aktuelle OECD-Durchschnitt ist 9 zu 1." Durch die umverteilende Wirkung des Steuer- und Transfersystems wird dieser krasse Unterschied zwar gemildert, ist aber gleichwohl immer noch beachtlich.

Wenn am Ende der Pressemitteilung auf den Vorschlag verwiesen wird, die Steuerflucht einzudämmen, Steuervergünstigungen abzuschaffen, und mit Steuern auf Vermögen und Grundbesitz zur besseren Umverteilung von Einkommen beizutragen, findet das insofern meine Zustimmung, als auch ich immer wieder vergleichbare Forderungen erhoben habe.

10.12.2014


Vermögensverteilung - weltweit und in Deutschland

Jetzt berichten die Medien über die Oxfam-Studie zum Wohlstand auf der Welt. Danach besitzen die 85 reichsten Menschen der Erde genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Und ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt fast die Hälfte des Weltvermögens.

Auf der vorstehend verlinkten Seite finden Sie auch Angaben zu den Verhältnissen in Deutschland. Danach "wiegt allein das Vermögen der fünf reichsten Deutschen das der untersten 40 Prozent der Bevölkerung auf, das Vermögen des reichsten Prozents sogar das von 80 Prozent der Deutschen.

Es wird immer drängender, über die Gerechtigkeit einer vornehmlich an der Erfolgsstrategie der Wirtschaft ausgerichteten Politik nachzudenken. Fazit aus dem Bericht: "Eine stärkere Besteuerung von großen Unternehmen und Vermögenden ist zur Bekämpfung der Ungleichheit unabdingbar. Jedoch sind die Kräfte, die sich aus Eigeninteressen gegen derartige Reformen wenden, sehr mächtig. Die Gefahr besteht, dass Lücken im internationalen Steuersystem nicht geschlossen werden und die reichsten Unternehmen und Privatpersonen unbehelligt weiter Schlupflöcher ausnutzen können, keinen angemessenen Steueranteil zahlen und sich so auch zukünftig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen." Vergl. Seite 16 "Aktionsplan zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit".

19.01.2015


Bitte lesen Sie auch weiter unter
Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)


Ein Wort der Kirche

In der Rheinischen Post erinnert der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in einer Kolumne "Die im Dunkeln sieht man kaum" an die bereits 1891 von Papst Leo XIII formulierte Forderung, es brauche "genügenden Lohn, um sich mit Frau und Kind anständig zu erhalten". Wann gewinnt diese Erkenntnis endlich wieder Vorrang vor der inzwischen allein kapitalistisch geprägten Wirtschaftspolitik?

Damit schließt sich der Kreis zu der von mir immer wieder formulierten Forderung nach einer gerechten Verteilung des gesamtwirtschaftlichen Erfolges unserer Gesellschaft

  • als angemessener Lohn der Erwerbstätigen,
  • als ausreichende Altersversorgung und
  • als Ertrag der Kapitalgeber.

16.05.2015


Mahnende Stimme - wird sie gehört?

Jetzt hat sich das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, zu Wort gemeldet. Näheres zu seiner Enzyklika „Laudato si‘“ finden Sie auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz.

21.06.2015


Aktuelle Streikwelle

Seit Monaten wird Deutschland mit einer Streikwelle überzogen:

Während in den Aufbaujahren nach dem 2. Weltkrieg besonders die Metallarbeiter die Lohnrunden mit Streiks anführten, fällt nun auf, dass es die Dienstleister sind, die mit Streiks auf ihre Probleme aufmerksam machen. Und bei den Krankenpflegern geht es noch nicht einmal um mehr Geld! Sie fordern mehr Personal, um die Arbeitslast zu mindern! Mich erinnert die Berichterstattung hierzu an meine Ausführungen zur Stressbelastung.

Es wird dringend Zeit, dass wieder über den Wert der Arbeit nachgedacht wird und sich die Politik der Frage stellt, wie der gesamtwirtschaftliche Erfolg unserer Gesellschaft gerecht zu verteilen ist. Kürzlich habe ich hier ein Wort der Kirche aufgegriffen und an meine wiederholt gestellte Forderung erinnert. Und Papst Franziskus schreibt in seiner jüngsten Enzyklika mit Blick auf die Unternehmertätigkeit, dass "die Schaffung von Arbeitsplätzen ein unausweichlicher Teil ihres Dienstes am Gemeinwohl ist."

Es darf also nicht so weiter gehen, dass die Arbeitnehmer in den lohnintensiven Bereichen geknebelt werden, damit die Kosten gesenkt, aber die Gewinne in der Industrie maximiert werden können.

23.06.2015

Zu den Wechselwirkungen technischen Fortschritts und Wandlung der Arbeitswelt finden Sie hier eine weitere Anmerkung.

07.08.2015

Dagegen ein Streik, der völlig unsinnig ist:

08.09.2015 Rheinische Post: "Kamikaze der Piloten"

Hier streikt eine Elite, die die aus einer Schlüsselpotition gewachsenen Privilegien verteidigt! Dem Kommentar der RP ist nichts hinzuzufügen.

09.09.2015 Frankfurter Zeitung: "Mutige Richter"


Was sind Manager wirklich wert?

Unter der Überschrift "Volkswagen braucht bald jeden Cent" berichtet die FAZ über die Folgen der nun bekannt gewordenen Abgasmanipulation bei VW.

Wenn dort zu lesen ist, dass "Deutschlands höchstbezahlter Vorstandsvorsitzender (...) nicht dazu fähig (war), die Manipulationen zu erkennen und zu beenden", stellt sich wirklich die Frage nach dem Wert seiner Arbeit. Es ist offensichtlich die Machtversessenheit, die glauben macht, man könne sich auf dem Chefposten die Taschen voll machen, ohne irgend jemandem Rechenschaft schuldig zu sein.

Wenn Herr Winterkorn noch einen Rest an Verantwortungsgefühl besitzt, zahlt er die erhaltenen Millionen zurück, wie in dem Bericht vorgeschlagen. Er hat sie nicht verdient.

Auch andere Manager sollten nach diesem Skandal in sich gehen, ob ihre Gehälter in angemessener Relation zu ihrer persönlichen Leistung stehen. Es wäre auch sicher gut, wenn die Abstimmung in der Schweiz wieder in Erinnerung gerufen würde. Wer an der Spitze eines Teams steht, muss immer bedenken, dass die Erträge vom gesamten Team erarbeitet worden sind. Und das Gehaltsgefälle zwischen Team-Leiter und den Kollegen darf nicht zu groß sein, sonst ist der Ertrag ungerecht verteilt.

23.09.2015


Manager - keine Spur von Demut

Da steht der VW-Konzern voll in der Kritik. Statt dass die Manager Demut beweisen und einfach mal kürzer treten, beharren sie auf ihren exorbitanten Vergütungen. Das kommt nirgends gut an, weder bei den Mitarbeitern, den Kunden und nun auch der Politik: "Niedersachsen fordert vollständigen Boni-Verzicht bei VW" berichtet die Rheinische Post.

Geld verstellt den Blick auf die Realität. Da braucht man sich über die hämischen Leserbriefe nicht zu wundern. Den Stil will ich nicht übernehmen; aber meine für diesen Themenstrang gewählte Überschrift sollten diese gierigen Manager doch mal ernsthaft diskutieren.

11.04.2016


09.01.2016 - Rheinische Post: "Mindestlohn abschaffen!"

Ich will es nicht so drastisch ausdrücken, wie es die Leser spontan in ihren Kommentaren formulieren. Gleichwohl sei auch meinerseits angemerkt, dass ich diesen Kommentar zur aktuellen Diskussion um die Erhöhung des Mindestlohns für sehr angreifbar halte.

Wer die Produktivität von Geringqualifizierten anspricht, sollte auch einmal fragen, welche Produktivität denn Manager entwickeln. Ohne fleißige Mitarbeiter ist deren Wirken völlig sinnlos und reine Geldverschwendung!

Ich habe bereits mehrfach die Redakteure der Rheinischen Post auf mein Verständnis vom Wert der Arbeit hingewiesen und kann mich nur wundern, welch unsoziales Denken immer wieder in einer Zeitung aufblitzt, die sich doch der christlichen Kultur verpflichtet fühlt.


19.07.2016 - Die Welt:
"Was wird aus den über 10 Millionen Dummen im Land?"

Zitat aus dem Bericht: "Der Satz 'Du wirst nicht gebraucht' gehört zu den schlimmsten Sätzen überhaupt."

Besser als in diesem Bericht kann man es nicht beschreiben, wohin unsere auf technischen Fortschritt ausgerichtete Gesellschaft abdriftet. Lesen Sie bitte auch, was ich bereits unter Stressbelastung - einmal quer gedacht über die Notwendigkeit geschrieben habe, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben muss, seine Aktivitätspotentiale abzuarbeiten, um wirklich zufrieden zu sein.


15.08.2016 - Süddeutsche Zeitung: "Rückkehr der Dienstmädchen"

Zitat aus dem Bericht: "Wieder gilt: alles schon da gewesen. Wenn Menschen im Dienstleistungswesen zwischen Pizza-Botendienst und Amazon-Lagerarbeiten für Mini-Löhne schuften und keine Gewerkschaft ihnen hilft, so ist das die Anknüpfung an das Schicksal früherer Dienstboten. Auch die wurden mit mickriger Bezahlung abgespeist. Die Herrschaften waren wohlhabend. Die Diener blieben arm. Dienstleistungen wurden in Anspruch genommen, weil sie bezahlbar waren. Jetzt sind sie es wieder."

Muss man das noch kommentieren?


29.10.2016 - Rheinische Post:
"Frankreich ist produktiver als Deutschland"

Zitat aus der Kolumne "Der Ökonom"
"Dann trägt die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt zur niedrigen Produktivität bei. Denn in Krisenzeiten halten die Firmen die eher produktiven Arbeitskräfte. Wenn sie neue einstellen, sinkt die Grenzproduktivität. Frankreich hat eine hohe Arbeitslosigkeit, Deutschland eine niedrige."

Die Logik dieser Sätze bedeutet, alle "unproduktiven" Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, damit es uns so "gut" gehe wie Frankreich. Ist das wirklich die Auffassung einer Zeitung, die sich der christlichen Kultur verpflichtet fühlt?

Richtig ist doch nur, dass jeder Mensch ein Recht hat, sich durch seine Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nur mangelt es oft an der Bereitschaft, auch den wirklich angemessenen Preis zu bezahlen. Wenn Arbeit anständig bezahlt wird, hebt das das Bruttoinlandsprodukt - auch pro Kopf!


05.01.2017 - Die Welt:
"Ex-VW-Chef bekommt 3100 Euro Betriebsrente – täglich"

Zitat aus dem Bericht:
"Seit dem 1. Januar habe der 69-Jährige Anspruch auf eine Betriebsrente von 1,1 Millionen Euro pro Jahr, berichtete das Blatt. Dies wäre eine der höchsten Betriebsrenten der deutschen Geschichte. Zudem stehe dem Ex-Vorstandschef von VW bis zum Lebensende ein Dienstwagen zu."

Ist das alles noch moralisch? Die Renten des kleinen Mannes werden gekürzt! Ist das noch mit Artikel 14 Absatz 2 Grundgesetz vereinbar?


08.01.2017 - Tagessschau.de:
"Wolfsburger Spitzenreiter beim Einkommen"

Zitat aus dem Bericht:
"Wolfsburg ist die Stadt mit den im Mittel höchsten Löhnen in Deutschland - im Erzgebirgskreis verdienen die Menschen am wenigsten."

Wer hält diese Schere noch für gerecht?


11.01.2017 - Rheinische Post:
"SPD will Gehälter von Managern begrenzen"

Fazit am Schluss des Berichts:
"Ob die verlangten Gesetzesänderungen noch in dieser Legislaturperiode wirksam werden, ist zwar fraglich. Aber für die Sozialdemokraten ist das Thema Managerboni natürlich eine Waffe im Wahlkampf. Gleichzeitig betont die SPD, dass 'Jahresgehälter im hohen ein- oder zweistelligen Millionenbereich kein Grund für Neid oder Missgunst seien'. Aber sie seien ein Grund, 'genau hinzuschauen, ob ihnen eine angemessene Leistung gegenübersteht'."

Angesichts der Skandale im Finanzsektor und aktuell in der Automobilindustrie ist die Frage nach der Adäquanz von Gehalt und Leistung vollauf berechtigt. Die Höhe der Gehälter garantieren jedenfalls nicht die Qualität der erbrachten Leistung.

Gleichwohl halte ich den Streit um die Höhe der Bezüge für müßig. Wichtiger aus meiner Sicht ist der Grundsatz, dass starke Schultern mehr zum Gelingen unseres Staates beisteuern (das ist schließlich die Bedeutung des Wortes für unsere Abgaben an den Staat!) können, als die Mehrheit der Arbeitnehmer.

Und da finde ich einen interessanten Ansatz in den Vorschlägen, nämlich die Abzugsfähigkeit der Managervergütung zu begrenzen. Wenn dann noch der Spitzensteuersatz angehoben wird, werden exorbitante Einkünfte angemessen belastet.


19.01.2017 - Rheinische Post:
"Höchste Renten im Ruhrgebiet"

Zitat aus dem Bericht:
"Die Erklärung des DGB für die regionalen Unterschiede: Dort, wo es eine starke industrielle Basis gebe, seien die Renten - zumindest für Männer - tendenziell höher als in Regionen, in denen Verwaltung und Dienstleistungen vorherrschten. 'Gerade im industriellen Bereich sind von den Gewerkschaften ausgehandelte Tarifverträge an der Tagesordnung, die den Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen und anständige Gehälter garantieren', sagte die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Sabine Graf."

Diese Aussage schließt an die Meldung von Tagesschau.de über die höheren Gehälter in Wolfsburg an und bestätigt meine These, dass nur noch in der kaptialgestützten Wertschöpfung Gehälter gezahlt werden, die auch zu auskömmlichen Renten führen.

Der DGB zieht daraus aber die falsche Konsequenz, wenn er fordert, der Rentenbeitrag müsse angehoben werden! Der Rentenreport ist vielmehr eine klare Bestätigung dafür, dass endlich die kapitalgestützte Wertschöpfung einen Sonderbeitrag zur Finanzierung der Sozialversicherungssysteme leisten muss - und auch leisten kann.

Es ist purer Eigensinn, wenn die Gewerkschaft auf ihre guten Abschlüsse im Industriebereich verweist. Dort für die eigenen Mitglieder gute Löhne zu erzielen, wo die Taschen gefüllt sind, ist keine besondere Leistung. Sozialer wäre es, sie würde sich im Sinne meiner Thesen für eine Entlastung der Niediglöhne einsetzen.


28.01.2017 - Rheinische Post:
"Ohne Moral funktioniert der Markt nicht"

Zitat aus der Kolumne:
"Geschäfte lassen sich auf Dauer nur machen, wenn keiner übers Ohr gehauen wird. Ohne Ethik verliert Marktwirtschaft an Akzeptanz. Sie hat der Welt mehr als jedes andere Wirtschaftssystem Wohlstand beschert. Die Gesellschaft ist aber nur bereit, die einhergehende Ungleichverteilung zu akzeptieren, wenn sie das Gefühl hat, dass es gerecht zugeht im Land und sich die Eliten an moralischen Maßstäben jenseits der Gewinnmaximierung orientieren."

Diese insbesondere auf den VW-Skandal zugeschnittene Kolumne trifft tatsächlich den Kern unserer heruntergekommenen Wirtschaftsstrategie. Ich Frage mich allerdings, warum die Rheinische Post sich weigert, meine immer wieder erhobene Forderung aufzugreifen, die kapitalgestützte Wertschöpfung stärker zu belasten, um den Faktor Arbeit entlasten zu können, damit mehr Arbeitnehmer in den Genuss ausreichender Einkommen gelangen. Mein Leserbrief vom 22.12.2016, mit dem ich das noch einmal aus Anlass einer eingeleiteten Reform zum Betriebsrentgesetz erläutert habe, wird wohl nie mehr veröffentlicht.

Fazit: Auch Journalisten schaffen es nicht, einen guten Gedanken in einen größeren Zusammenhang zu bringen und konsequent zu Ende zu denken!


09.02.2017 - Rheinische Post:
"Streit um Deckel bei Managergehältern"

Zitat aus dem Bericht:
"Nicht nur VW hat ein Rechtfertigungsproblem, sondern jetzt auch die SPD. Deren Kanzlerkandidat Martin Schulz propagiert soziale Gerechtigkeit - muss aber aufpassen, dass nicht der Eindruck entsteht, seine Partei würde Wasser predigen und Wein trinken. Waren es mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies nicht SPD-Politiker, die im VW-Aufsichtsrat alles abgenickt hatten?"

Ich habe bereits vor zwei Tagen an Herrn Weil geschrieben: Ich hatte gelesen, dass VW - wohl auf Ihre Veranlassung - die Managergehälter auf 10.000.000 € deckeln wolle. Ich halte auch das noch für eine Unverschämtheit angesichts des Skandals, den diese Manager zu vertreten haben. Ich halte Vergütungen von mehr als dem 10-fachen eines Durchschnittsgehalts nur dann für angemessen, wenn damit auch in vollem Umfang eine Rückzahlungsverpflichtung verbunden ist, wenn der Manager Fehler zu verantworten hat. Aber da drücken sich die Herrschaften!


24.02.2017 - Süddeutsche Zeitung:
"So will die SPD Top-Managern die Gehälter kürzen"

Zitat aus dem Bericht:
Was Manager so verdienen, habe sich "im Zuge der zunehmenden Kapitalmarktorientierung (...) immer stärker von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt", schreibt die SPD-Fraktion. Wenn aber Vorstände ein Zigfaches ihrer Beschäftigten verdienten, gefährde dies die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft. Deshalb müsse ein Gesetz die Managergehälter begrenzen.

Den Erkenntnissen über die aus dem Ruder laufenden Ungerechtigkeiten kann man nur zustimmen. Die Wege, wieder Gerechtigkeit zu schaffen, sind aber mühsam. Sie können nach meiner Ansicht nur funktionieren, wenn sich alle wieder auf den Sinn des Wirtschaftens besinnen - dem Menschen zu dienen!

Was nutzt es, über gesetzliche Begrenzungen der Höhe von Vergütungen zu streiten. Die Politik sollte sich allein darauf beschränken, an den Erträgen der boomenden Wirtschaft durch Steuern und Abgaben beteiligt zu werden und zwar in einer Weise, die zielführend das Auseinanderdriften der Gesellschaft bekämpft.

Meine Ideen zur Reform der Unternehmensbesteuerung bei gleichzeitiger Einführung einer Wertschöpfungsabgabe gehen ebenfalls in die Richtung einer stärkeren Belastung der Managergehälter; aber auf einem anderen Weg.

Das Modell einer Wertschöpfungsabgabe, wie ich sie mir vorstelle, greift - anders als die weiterbestehende Ertragsbesteuerung - auf den Gesamtumsatz eines Unternehmens zu, der nicht an sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer ausgezahlt wird. Die Abgabe wird an die Sozialversicherung abgeführt, ohne dass zusätzliche Ansprüche entstehen.

Da in meinem Modell die im Unternehmen verbleibenden Gewinne niedrig besteuert werden sollen, liegt die persönliche Steuerlast des Managers automatisch über dem Betrag, den das Unternehmen durch den Betriebsausgabenabzug an eigener Ertragssteuer spart. Das Managergehalt wird sogar indirekt noch mit der Wertschöpfungsabgabe belastet und entlastet so die Sozialkassen zugunsten der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer.

Das Modell ist nicht nur einfacher, es löst auch zwei Probleme gleichzeitig, weil es sich eben auch günstig auf die Entwicklung der Nettolöhne auswirkt.


07.03.2017 - Rheinische Post:
"Soziale Gerechtigkeit ist wie eine Kurvendiskussion"

Zitat aus dem Bericht:
"Denn ebenso wie es eine Unterkante dessen gibt, was Arbeit allein schon wegen der zur Verfügung gestellten Lebenszeit pro Stunde wert ist, gibt es eine Obergrenze dessen, was sich noch durch Leistung und Verantwortung rechtfertigt."

Endlich besinnt sich auch die Rheinische Post darauf, die menschliche Leistung gerechter zu bewerten! Blamabel nur, dass der Artikel nicht von einem Mitarbeiter der eigenen Wirtschaftsredaktion geschrieben worden ist.


23.03.2017 - Süddeutsche Zeitung:
"Armutsbericht - Bundesregierung warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft"

Zitat aus dem Bericht:
Außerdem hinke der Dienstleistungsbereich bei den Lohnsteigerungen hinterher. Dies wird unter anderem auf die geringe Tarifbindung in diesem Bereich und auf eine "immer noch zu geringe Wertschätzung der Arbeit am Menschen" zurückgeführt.

Die Frage der Lohntarife ist vorrangig eine Aufgabe der Gewerkschaften. Sie müssen sich für anständige Bruttolöhne einsetzen.

Die Politik kann aber die Nettolöhne aufwerten, indem sie die Ungleichgewichte hinsichtlich der Belastung von Arbeit und Kapital verändert. Wieder ein Anlass auf meine Überlegungen zur Wertschöpfungsabgabe zu verweisen.


Nach oben